Wie kann ich der Vater sein, der ich gerne sein möchte?

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Gespeichert von Angelika Främcke am 1. Juli 2017
3. Juli 2017

Wie kann ich der Vater sein, der ich gerne sein möchte?

Vater mit zwei Kindern
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Mein Name ist Andreas, ich bin 38 Jahre alt und wohne in Senden bei Münster. Hier leben wir, also meine Frau Stefanie und ich, unsere beiden Kinder Florentine (7), Leopold (9) und unser Labradoodle Emma. Seitdem Leopold im Jahr 2008 geboren wurde, hat sich mein ganzes Leben ziemlich verändert. Bis zu diesem Zeitpunkt war mein Leben von dem Streben nach Karriere geprägt. Ich wollte möglichst schnell, möglichst steil die Karriereleiter hinauf. Viel Geld verdienen und viele schöne Dinge haben und machen.

Dass ein Kind mein Leben derart verändern könne, habe ich nie für möglich gehalten.

Doch – dass sich etwas ändert – dafür musste ich nicht einmal Vater werden. Alleine die bewusste Entscheidung dafür, es jetzt „drauf ankommen“ zu lassen, hat mich etwas anders über mein Leben denken lassen. Auf einmal kamen mir Fragen nach dem „Sinn“ und „Inhalt“ meines Lebens. Dinge, über die ich vorher kaum nachgedacht habe.  Als dann der ersehnte Kinderwunsch deutlich länger auf sich warten ließ, kamen zweifelnde Fragen auf „wenn das jetzt nicht klappt“, bleibt dein Leben dann einfach so, wie es heute ist?“
 
Insgesamt kann ich sagen, dass mich die Kinder auf den Boden geholt und mir gezeigt haben, dass es wichtigere Dinge als Karriere und Geld gibt: Zeit und die Freiheit mit den Menschen zusammen zu sein, die einem am liebsten sind. Gut, geschafft habe ich das immer noch nicht ganz (dazu gleich mehr), aber ich habe auf jeden Fall ein Ziel, auf das es sich lohnt zuzulaufen.
 
Mein Leben hat sich durch die Kinder in noch weiterer Art und Weise verändert. Da ich schon sehr früh ein Blogleser war und mich im Netz in Blogs über meine unterschiedlichen Interessen informiert habe, wollte ich mich auch auf meine Rolle als Vater über Blogs vorbereiten. Als ich auf der Suche nach sinnvollen Quellen gar nichts gefunden habe (es war 2008…), habe ich mir gedacht, ich starte so etwas selbst. 2009 bin ich gestartet und weil mir an einem Samstagabend nach drei Glas Rotwein nichts Besseres einfiel, gibt es seitdem papa online. Dort blogge und podcaste ich über meine Erfahrungen als Vater. Mein Ziel ist es, aus diesen Erfahrungen etwas abzuleiten, das ich anderen Männern als wertvolle Info bereitstellen kann. Ich hätte so eine Seite damals sehr gerne gelesen.
 

Als der Tag auf einmal fünf Stunden zu wenig hatte

Kommen wir aber darauf zurück, dass ich festgestellt habe, dass die Freiheit,  Zeit mit den Menschen zu verbringen, die mir besonders wichtig sind, viel wichtiger ist als Geld und Karriere. Leider ist es aber nicht ganz so einfach, das tagtäglich zu leben, denn zwischen Anspruch und Wirklichkeit gibt es Rechnungen zu bezahlen. Und das wird mit Kindern nicht unbedingt weniger.
 
Genau das ist es, was mir zu schaffen macht. Es gibt so viele Gründe beruflich kürzer zu treten, aber auch mindestens ebenso viele,  es nicht zu tun. Das ist die klassische Papa-Zwickmühle. Die meisten Männer arbeiten sogar noch mehr, wenn sie Väter sind. Böse Zungen behaupten, um den Stress und dem Chaos zu Hause zu entfliehen. Ich sage aber, dass es das Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Familie ist. Es gibt leider in Deutschland immer noch eine recht große Einkommensungleichheit zwischen Männern und Frauen, die dazu führt, dass es sich die wenigsten Familien leisten können, dass der Mann nicht mehr Vollzeit arbeiten geht. Bei uns ist das genauso und das führt dazu, dass ich viel weniger Zeit mit den Kindern verbringen kann als ich möchte.

Sind wir die modernen Väter?

Ich möchte aber gar nicht allzu sehr in Selbstmitleid schwelgen, denn wir haben es schon gut. Wir die „modernen“ Väter. Ein komischer Begriff, wie ich finde. Warum sind wir „modern“? Weil wir Dinge anders machen als unsere Väter? Die Frage, die ich mir stelle ist, ob wir wirklich so anders sind als unsere Väter. Klar, wir stehen heute dazu, dass wir aus dem Büro früher verschwinden, um die Schulaufführung der Tochter zu besuchen. Früher hätten sie dich ausgelacht und vielleicht sogar abgemahnt. Aber hätten unsere Väter nicht auch gerne die Möglichkeiten gehabt, die wir heute haben? Die Gesellschaft hat sich verändert und mit ihr die Möglichkeiten, die sich uns bieten. Aber dabei direkt von der modernen Vätergeneration zu sprechen, ist mir zu viel Selbstbeweihräucherung und zu viel Abwertung unserer Väter.

Die Chance ergreifen

Gleichzeitig halte ich es für unsere Pflicht, dass wir aus den uns gegebenen Möglichkeiten das Beste machen. Als Väter haben wir die Chance, die Zukunft unserer Welt zu verändern. Wir ziehen die nächste Generation dieses Planeten groß und können mit den Werten und Idealen, die wir versichern, die Welt verändern - zum Guten wie zum Schlechten. Diese Chance möchte ich nutzen.

Wie möchte ich als Vater sein?

Eine Frage, die ich mir immer wieder stelle, lautet: Aber wie bin ich ein guter Vater? Wie kann ich meinen Kindern das bieten, was sie verdienen? Ich habe neun Jahre immer wieder nach Antworten gesucht und für mich jetzt eine gefunden, mit der ich gut leben kann. Wenn ich mir vorstelle, dass wir in 25 Jahren mit den Kindern am Tisch sitzen. Wir essen Pasta, trinken einen guten Rotwein und unterhalten uns angeregt. Bei diesem Gespräch kommen wir darauf, wie sie uns als Eltern und besonders mich als Vater fanden, was möchte ich dann hören?
 
Die Antworten, die mir einfallen, sind mein Ziel als Vater und diese Vorstellung hilft mir ein bisschen der Vater zu sein, der ich gerne sein möchte. Das klappt an manchen Tagen besser und an anderen Tagen schlechter.
 
Ich finde das OK, denn ein guter Vater bist du nicht irgendwann und bleibst es. Ein guter Vater zu sein ist ein Prozess, den Du jeden Tag aufs Neue durchläufst. Das macht es so herausfordernd aber auch so toll.

 

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