Caritasverband Münster befragt Väter zur Verbesserung von Beratungsangeboten

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Mann wird von Frau mit Handschlag in Büro zum Beratungsgespräch begrüßt
17. Juli 2017

Caritasverband Münster befragt Väter nach ihren Wünschen zur Verbesserung von väterspezifischen Beratungsangeboten

Ergebnisse der „Väter-in-Beratung“-Studie (VIBS) in Werkstattgespräch vorgestellt

Vor welchen Herausforderungen stehen Väter mit Kindern im Vorschulalter? Auf welche Hilfen greifen sie bei Erziehungs- und Familienthemen zurück und welche Erwartungen stellen sie an Erziehungsberatung? Diesen Fragen ging der Caritasverband für die Stadt Münster e.V. gemeinsam mit Studierenden der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen im Rahmen einer Befragung von Vätern nach.

 

Ziel des Forschungsprojektes war es, väterspezifische Beratungsangebote noch besser auf die konkreten Bedürfnisse und Wünsche der Männer abstimmen zu können. Dazu wurde das alltägliche Vatersein von Münsteraner Vätern mit Kindern im Vorschulalter untersucht. Über die 21 Familienzentren bzw. die Kindertagesstätten in Münster, mit denen die Caritas kooperiert wurde der Kontakt zu den Vätern hergestellt. Circa 200 Väter beteiligten sich an der schriftlichen Umfrage. Die Befragungsergebnisse wurden Fachleuten aus der Region im Juni 2017 vorgestellt. Eingeladen hatten hierzu der Caritasverband für die Stadt Münster e.V. sowie die Fachstelle Väterarbeit in NRW.

Laut Umfrage beteiligen sich viele Männer aktiv am Alltag ihrer Kinder. Ein Großteil von ihnen fühlt sich der Vaterrolle sowie den damit verbundenen Aufgaben gewachsen. 81 Prozent fällt das Vatersein insgesamt leicht. Unsicherheiten bestehen bei einzelnen Themen wie dem Umgang mit Regelbrüchen, bei der Mediennutzung sowie beim Beruhigen des Kindes. In Erziehungsfragen scheinen sich die meisten Paare (93 Prozent) einig zu sein.

Partnerschaftliche Aufgabenteilung schafft Zufriedenheit

Knapp die Hälfte der Väter gibt an, dass sie und ihre jeweilige Partnerin die Erziehung und Betreuung der Kinder zu gleichen Teilen übernehmen. Rund 90 Prozent der Befragten, die dieses partnerschaftliche Modell leben, bezeichnen sich und ihre Partnerin als zufrieden mit der gewählten Aufgabenteilung. Liegen die Betreuung und Erziehung der Kinder überwiegend in der Hand der Frau, so sinkt die Zufriedenheit auf gut 60 Prozent. Unabhängig des jeweils gewählten Modells haben fast 70 Prozent der Väter das Gefühl, dass sich Familie und Beruf für sie gut oder sehr gut miteinander vereinbaren lassen.

Väter sind offen für (professionelle) Beratung

 Unterstützung bei Erziehungsfragen suchen sich 73 Prozent der befragten Väter bevorzugt im unmittelbaren sozialen Umfeld, wie zum Beispiel bei der Partnerin (61 Prozent). Fachleute aus vertrauten Anlaufstellen wie der Kinderbetreuungseinrichtung oder der Kinderarztpraxis werden jeweils von ca. 23 Prozent der Väter um Rat gefragt. Die Angebote einer professionellen Erziehungsberatungsstelle haben rund 8 Prozent der Väter bereits in Anspruch genommen. Knapp die Hälfte aller Befragten kann sich vorstellen, dies in Zukunft einmal zu tun.

 Besonders attraktiv für die Väter seien laut Umfrage Angebote, die vorwiegend abends oder samstags im Rahmen einer persönlichen Beratung stattfinden. Bevorzugt würden dabei eher Einzel- oder Familiengespräche als Gruppenangebote. Außerdem wünschten sich die Väter vor allem örtliche Nähe und zeitnahe Termine. Inhaltlich erwarten die Männer von einer Erziehungsberatung schnelle, praktische Lösungen sowie ganz allgemein die Möglichkeit zum Sprechen.

Wünsche und Erwartungen an Erziehungsberatung

Diese Anregungen möchte der Caritasverband Münster aufgreifen, um die väterspezifischen Angebote in der Erziehungsberatung noch besser auf die konkreten Bedarfe abstimmen und weiterentwickeln zu können. Das Werkstattgespräch der Fachstelle Väterarbeit in NRW bot den anwesenden regionalen Akteuren eine Plattform, um sich hierfür anbieterübergreifend auszutauschen und zu vernetzen. Dabei zeigte sich: Ein vertrauter Ort, bekannte Ansprechpersonen sowie der richtige Zeitpunkt der Ansprache erleichtern Vätern den Einstieg in die Beratung. Als Beispiel nannte die Vertreterin einer kirchlichen Beratungsstelle etwa das Thema Geburt des (ersten) Kindes und das darauf abgestimmte Angebot eines Babymassagekurses für Väter. Wie Väter im Rahmen der etablierten betrieblichen Gesundheitsberatung auf Wunsch auch ganz einfach Unterstützung im Bereich Erziehung und Familie erhalten könnten, beschrieb ein Unternehmensvertreter als weiteres Praxisbeispiel.

Attraktivität schaffen und Forschung fortsetzen

 Das Fachpublikum kam überein: Wer mit Vätern zu Erziehungs- und Familienthemen in Kontakt kommen möchte, sollte Angebote schaffen, die für Männer inhaltlich, aber auch mit Blick auf die Rahmenbedingungen attraktiv sind. Dann werden diese gern in Anspruch genommen und im besten Fall von Vater zu Vater weiterempfohlen. Für ein tiefergehendes Verständnis dafür, was Väter beschäftigt und welche Unterstützung sie sich wünschen, könnte außerdem eine qualitative Erforschung in Einzelgesprächen sowie der Blick auf das gesamte Familiensystem sinnvoll sein, so die Expertinnen und Experten.

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