Das Leben ist noch nicht vorbei

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Gespeichert von chefredakteur am 19. April 2016
Junger Vater mit Tochter

Das Leben ist noch nicht vorbei | Junger Papa, Teil 2

Ungeplante Vaterschaft

Für junge Männer gerät mit der Nachricht von der bevorstehenden Vaterschaft das Leben meist völlig durcheinander. Aber die neue Situation bietet auch Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen, dem Leben einen anderen Sinn zu geben und es neu auszurichten. Damit der Neustart gelingt, hilft das Projekt juPa.pa! aus Köln jungen Vätern bis zum 21. Lebensjahr.

 

Wenn Theodor Brocks in Kölner Schulen und Berufskollegs das Projekt juPa.pa! – Junge Papas packen es! vorstellt, melden sich immer wieder Jugendliche, die selbst schon Eltern geworden sind. „Vor allem die Väter sind oft überrascht, dass es überhaupt eine Initiative gibt, die sich speziell mit ihrer Situation befasst“, sagt der Sozialarbeiter und Sexualpädagoge Brocks. Eigentlich gibt es viele Eltern-Angebote: von der Schwangerschaftsberatung über finanzielle Unterstützung bis zu PEKiP-Kursen. Aber ein Großteil davon ist – wenn auch nicht ausdrücklich – auf Mütter zugeschnitten. Dass dagegen gerade noch ganz junge Väter in den Blick genommen werden, ist eher selten.

Genau diese Lücke will das vom Verein Väter in Köln 2014 gestartete Projekt juPa.pa! schließen. Und die jugendlichen Väter nehmen das Angebot gerne an: „Wichtig ist, dass wir uns ihnen zuwenden und die richtigen Fragen stellen: wie ihr Leben jetzt ausschaut, wo sie beratende oder praktische Unterstützung brauchen“, sagt Theo Brocks. Oft geht es dabei um die Bewältigung des Alltags. Probleme mit den Eltern, der Schule, der Bürokratie, der Wohnungssuche. Wenn gewünscht, begleitet juPa.pa! die jungen Männer auch bei der Suche nach einem Kitaplatz oder zum Jobcenter. Außerdem will die Initiative dabei helfen, eine positive Einstellung zum Vatersein zu entwickeln. Das ist für Theo Brocks ganz wichtig: „Für viele junge Väter ist die Vaterschaft zunächst schlicht uncool. Ein Baby ist kein Statusobjekt, für das sie bei ihren Freunden Applaus bekämen, und schon gar nicht bei ihren Eltern. Wir wollen sie aus dieser Position herausholen, zeigen, dass sie keine Versager sind, die hätten besser aufpassen sollen.“

Papa sein und cool sein?

Eine Schwierigkeit auf diesem Weg ist, dass vielen Jugendlichen ein gutes Vatervorbild fehlt. Um die neue Rolle als männlich und attraktiv zu erleben, braucht es oft neue Vorbilder. Manchmal hilft da schon die Begegnung mit anderen jungen Vätern bei juPa.pa!. „Das ist für viele eine ganz spannende Erfahrung. Dann sind sie mal nicht diejenigen, die mit der Lebenswirklichkeit ihrer Freunde nichts mehr zu tun haben, sondern sprechen auf Augenhöhe über Vaterthemen – und über alles, was Jugendliche sonst interessiert“, sagt der Theo Brocks.

Ihm geht es aber auch um die Beziehung zum Kind und zur Partnerin: „Viele Mütter scheinen nach der Schwangerschaft direkt eine stärkere Bindung zum Kind zu haben. Aber wir wollen, dass die Väter sich genauso interessieren, dass sie aufmerksam sind für seine Bedürfnisse.“ Dazu reicht manchmal schon jemand, der zeigt, wie man mit einem Baby rumalbern kann oder seine Neugierde weckt.

Veranstaltungshinweis

Um Jugendhilfe und Jugendarbeit stärker für junge Väter zu sensibilisieren, führt der Verein Väter in Köln am 7. Oktober 2016 in Köln die Fachtagung „Frühe Väter: Herausforderungen meistern“ durch. Hier standen die Bedürfnisse, Probleme und Chancen der sogenannten frühen Väter im Mittelpunkt. Neben Fachleuten diskutierten auch junge Männer, die bereits Vater sind, auf dem Podium mit.

(vaeter.nrw)

 

Der diplomierte Sozialarbeiter und Sexualpädagoge Theodor Brocks ist Vater von drei Kindern und hat im Verein Väter in Köln e. V. das Projekt juPa.pa! mitentwickelt.

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