Digitales Vatersein auf Zeit mit der „PapalapApp“

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Mann steht auf der Straße und schaut sein Handy
1. März 2018

Digitales Vatersein auf Zeit mit der „PapalapApp“

Welche Aufgaben erwarten mich als Vater im Familienalltag? Wie bekomme ich diese mit meinem Beruf unter einen Hut? Zwei „virtuelle Testpapas“ berichten von ihren Erfahrungen mit der Vater-App der Universitätsmedizin Greifswald (UMG).

 

Dass der Alltag zwischen Arbeit und Familienleben für Arbeitnehmer mitunter schwer zu organisieren und stressig sein kann, ahnen manche Vorgesetzte. Wie es sich tatsächlich anfühlt, die vielfältigen Herausforderungen eines berufstätigen Vaters zu meistern, soll das Projekt „PapalapApp – Die Papa-App“ vermitteln. Für einen Zeitraum von bis zu zwei Wochen werden über das Programm zahlreiche Aufgaben gestellt, die die Testväter in die Pflicht nehmen. Essen zubereiten, gemeinsam lernen oder ungeplantes Abholen aus der Kita wegen Krankheit will dann zusätzlich zum üblichen Arbeitspensum im Job erledigt werden. Die App soll vor allem (männlichen) Führungskräften einen Einblick in die nicht immer leicht zu bewerkstelligende Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen und Verständnis für die besonderen Bedürfnisse von Vätern schaffen.

Liebeskummer inklusive – Testväter erzählen

„Als Vater dreier erwachsener Töchter habe ich bereits Lebenserfahrung. Die App ist tatsächlich sehr realitätsnah“, fasst Professor Claus-Dieter Heidecke, Ärztlicher Vorstand der UMG und einer der beiden ersten virtuellen Testväter, seine Erfahrungen mit der Vater-App zusammen. „Frühstück machen, Helfen beim Lernen oder einem Vortrag, Abendessen vorbereiten oder nachts von der Disko abholen, Liebeskummer inklusive. 35 von 47 Aufgaben habe ich erfüllt und mich somit ganz gut bewährt. Die zweiwöchige Testphase hat viel Spaß gemacht und gleichzeitig die Probleme der Doppelbelastung in Klinik und Familie aufgezeigt – insbesondere auch für Alleinerziehende“, betont Heidecke.

Ähnliche Erfahrungen machte Professor Hans Jörgen Grabe, Direktor der Klinik für Psychiatrie der UMG, und ebenfalls Testvater der ersten Stunde. Während Grabe im wirklichen Leben Vater dreier Kinder ist, sorgte er per Vater-App für den virtuellen Teenagerjungen Moritz. Entsprechend der Lebensphase gab es tagsüber während der Arbeitszeit eher wenige Aufgaben, dafür waren die Abendstunden rasch gefüllt mit täglich wiederkehrenden Pflichten. Auch wenn das Essen in der App mit nur einem Klick zubereitet war, stellte Grabe schnell fest, dass wenig Zeit für andere Dinge blieb, wenn man so vieles um die Ohren hat. „Nach einigen Tagen fand ich es zudem sehr schade, dass ich alles nur virtuell erledigen konnte. Wenn ich keine Kinder hätte, hätte mir dieses Erlebnis sehr eindrucksvoll vor Augen geführt, wie fordernd Familienalltag sein kann“, stellt Grabe abschließend fest.

Die Idee hinter „PapalapApp“

„PapalapApp – die Papa-App“ ist ein Projekt zur Familienförderung der UMG und soll für Führungskräfte die Herausforderungen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf erlebbar machen. „Die Idee zur App kam in der alltäglichen Gleichstellungsarbeit, in der immer noch unterschiedliche Lebenswelten aufeinanderprallen“, erläutert Dr. Astrid Petersmann, Gleichstellungsbeauftragte der UMG. „Das Familienleben hat sich erfreulich gewandelt, Väter übernehmen heute viel mehr Verantwortung“, so Petersmann weiter. „Allerdings treffen im Klinikbetrieb auch verschiedene Generationen aufeinander und früher war es in der Regel üblich, dass die Frau dem Mann den Rücken freigehalten hat. Unser Anliegen war eine spielerische und konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema, um auch den älteren Führungskräften die veränderten Rahmenbedingungen für ein modernes Familienleben nahezubringen.“
Gemeinsam mit Sozialministerin Stefanie Drese (Mecklenburg-Vorpommern) hatten Professor Heidecke, Professor Grabe und Dr. Astrid Petersmann im November 2017 den Startschuss für das Projekt gegeben. Programmiert wurde die App von der Rocket Apes GmbH mit Sitz in Essen.

„PapalapApp“ – so funktioniert‘s

Die App ist kostenfrei für die Betriebssysteme Android und iOS erhältlich und ermöglicht es den Anwenderinnen und Anwendern, für bis zu zwei Wochen für maximal drei Kinder „verantwortlich“ zu sein. Nach dem Download der App sind die gewünschte Testdauer sowie Geschlecht und Alter der Kinder frei wählbar. Los geht es mit einer Einführungsaufgabe, anschließend benachrichtigt „PapalapApp“ den Nutzer bzw. die Nutzerin über die anstehenden Pflichten: für Mahlzeiten sorgen, ein Kind zum Musikunterricht oder ein krankes Kind zum Arzt bringen. Die App prüft, ob die Aufgaben erledigt oder die angegebenen Orte wie Kita oder Schule tatsächlich aufgesucht wurden. Nach Abschluss der PapalapApp-Testphase gibt es eine individuelle Auswertung mit persönlicher Vereinbarkeitsbilanz.
Download:
„PapalapApp“ für Android

„PapalapApp“ für iOS

Familienfreundliche Führungskräfte gesucht

Dass Familie und Beruf zusammen gehören und gute Vereinbarkeitsstrategien ein entscheidender Wettbewerbsvorteil bei der Personalsuche sein können, unterstrich Professor Heidecke bei der Vorstellung des „PapalapApp“-Projekts: „Wir brauchen neben den Müttern mehr Väter, die familiäre Verantwortung übernehmen, vor allem mehr Führungskräfte, die aus eigener Anschauung wissen, was es bedeutet, täglich den Spagat zwischen Familie und Beruf zu leben. Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein wichtiger Punkt für die Mitarbeiterzufriedenheit und ein gewichtiges Argument im Wettbewerb um die besten Fachkräfte. Schließlich suchen sich junge Leute heute ihr berufliches Umfeld auch danach aus, wie familienfreundlich es aufgestellt ist. Dafür braucht es unter anderem Vorgesetzte, die gute Entscheidungen treffen, am besten auf Basis eigener Erfahrungen. So hilft es Führungskräften in ihrer täglichen Arbeit, wenn sie bereits selbst familiäre Verantwortung, beispielsweise für die Betreuung von Kindern, getragen haben.“
Allen anderen ermöglicht „PapalapApp“ per Klick, ein Gefühl für die Herausforderungen des Vater-Alltags zwischen Job und Familie zu entwickeln.
 

 

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