Für jeden ein passendes Modell: wenn Eltern Teilzeit arbeiten

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Gespeichert von chefredakteur am 22. Juni 2016
Tisch mit Laptop und Kaffeetassen

Für jeden ein passendes Modell: wenn Eltern Teilzeit arbeiten

Teilzeitarbeit

Tobias Rossnagel kennt beide Seiten: zum einen ist er Vater von zwei kleinen Kindern (fünf und zwei Jahre alt) und zum anderen Personalreferent bei Vodafone. Privat und beruflich hat er also ständig mit dem Thema „Vereinbarkeit von Beruf, Familie und persönlichen Bedürfnissen“ zu tun.

 

„Jeder muss sein ganz eigenes Konzept entwickeln, wie Vereinbarkeit für ihn und seine Familie lebbar ist – Patentrezepte gibt es nicht“, sagt der 39-Jährige. Tobias Rossnagel und seine Frau haben sich nach der Geburt des ersten Kindes entschieden, beide in Teilzeit zu arbeiten, beide arbeiten dreißig Wochenstunden.

„Nach Idas Geburt war meine Frau zunächst acht Monate zu Hause und dann habe ich sechs Monate Elternzeit gemacht und zwei Jahre lang in Teilzeit gearbeitet. Nach der Geburt des ersten Kindes ist ja alles neu und oft recht chaotisch – auch wir mussten uns erst organisieren“, erzählt er. Er wechselte aus Eschborn in den Düsseldorfer Sitz von Vodafone und zog mit seiner Frau zusammen nach Köln. „Die Pendelei vorher wollten wir mit Kind nicht mehr. Als ich dann aber gerade in Düsseldorf angefangen hatte, bin ich sechs Monate in Elternzeit gegangen. Begeistert war mein damaliger Chef darüber nicht. Er hat mir zwar keine Steine in den Weg gelegt, aber es war damals einfach nicht üblich, als Mann sechs Monate auszusteigen!“

Wir merken, es ändert sich viel!

Das ist nun fünf Jahre her und inzwischen habe sich viel geändert, betont Tobias Rossnagel. Vodafone Deutschland ist seit 2008 für seine Personalpolitik mit dem Zertifikat audit berufundfamilie ausgezeichnet. Das Telekommunikationsunternehmen erweitert stetig seine Angebote zu Flexibilisierung von Arbeitszeit und -ort, Maßnahmen rund um Elternzeit, Wieder-einstieg und Elternförderung und natürlich auch Kinderbetreuung sowie Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. „Bestimmte Einwände und Bedenken von Führungskräften akzeptieren meine Kollegen und ich nicht mehr“, erzählt der Personalplaner, der Führungskräfte betreut sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in technischen Berufen. „Wenn ein Abteilungsleiter beispielsweise sagt, dass einer seiner Mitarbeiter aus der Elternzeit wiederkommt und er ihn ‚nicht mehr brauchen kann’, ist das bei uns inzwischen indiskutabel. Wir setzen uns dann zusammen und finden eine Lösung, die von allen akzeptiert werden kann“.

Ich weiß, wie man(n) sich fühlt

Die Erfahrungen, die Tobias Rossnagel beruflich mit Teilzeitmodellen, Elternzeitregelungen und Kinderbetreuungsproblemen gemacht hat, helfen ihm auch im Privaten und umgekehrt. „Als Personalreferent muss ich Lösungen für andere finden und als Vater für mich selbst. Alle machen das anders, müssen die Modelle für sich durchrechnen, aber wir tauschen uns aus im Unternehmen. Wenn ich dann beispielsweise in einem Personalgespräch sitze und ein Vater (oder eine Mutter) erzählt mir von ihren Schwierigkeiten mit einem kranken Kind und der Abgabefrist für ein Projekt zurechtzukommen, dann weiß ich genau, wie er oder sie sich fühlt. Ende letzten Jahres war es in unserer Familie ganz schlimm, da haben die Kinder sich gegen-seitig und uns nacheinander mit Infekten und schließlich Scharlach angesteckt. Da saßen meine Frau und ich abends schon mal heulend auf dem Sofa und haben gesagt: Wir wollen mal wieder eine Woche erleben, in der keiner von uns krank ist!“ Tobias Rossnagel und seine Frau wechseln sich in solchen Zeiten täglich mit der Betreuung der kranken Kinder ab: „Montags blieb meine Frau zu Hause, dienstags ich, mittwochs sie usw. Die Oma hat auch geholfen, aber hart war das trotzdem“.

Man muss sich gut abgrenzen können

Tobias Rossnagel und seine Frau arbeiten zwar beide in Teilzeit, aber in unterschiedlichen Modellen: „Meine Frau hat ihre Stunden auf fünf Tage verteilt, geht dafür früher und holt montags bis mittwochs die Kinder aus der Kita ab. Ich bleibe an diesen Tagen länger im Betrieb. Am Donnerstag mache ich Homeoffice, spare mir die Fahrerei und kann die Kinder abholen. Freitags habe ich ganz frei und dann die Möglichkeit, mit den Kindern vormittags beispielsweise Arztbesuche und Ähnliches zu machen – das ist ein schöner Puffer“. Sein Modell findet Tobias Rossnagel in mancher Hinsicht einfacher: „Weil ich entweder da oder weg bin, kann ich mich besser abgrenzen. Die Kollegen wissen, dass ich freitags frei habe und kontaktieren mich nur in ganz dringenden Fällen. Meine Frau, die Führungskraft ist, hat größere Probleme sich abzugrenzen und drei Tage in der Woche pünktlich um 15.30 Uhr ihre Firma zu verlassen. Bei ihrem Modell ist Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch nicht so präsent, wann sie da ist und wann nicht, die kommen dann auch fünf Minuten vor Feierabend mit einem Anliegen. So ist auch das ‚mentale Umschalten’ von Effizienz im Job auf entschleunigte Kinderzeit für sie schwieriger“.

Frühe Absprachen sind wichtig

Welches Teilzeitmodell auch immer ein Vater wählt, eines ist wichtig: „Weil die Organisation für ausnahmslos alle – das Unternehmen, die Mitarbeiter, die Führungskräfte, die Väter und Mütter – eine Herausforderung darstellt, sollten Väter sich möglichst frühzeitig an ihre Vor-gesetzten wenden und die gewünschte Regelung ihrer Eltern- und Teilzeit auf standfeste Beine stellen“, rät Tobias Rossnagel. „Wenn man aus Angst vor Diskriminierung zu lange schweigt, können passgenaue Lösungen für den Einzelnen schlechter oder gar nicht mehr gefunden werden, denn das ist ja ein Prozess, der Zeit braucht“. Wichtig ist auch, dass beide Seiten sich flexibel um Lösungen bemühen: Tobias Rossnagel hilft der eine Tag Homeoffice sehr bei seiner Familienorganisation, aber mehr als maximal zwei solcher Tage wären für ihn nicht möglich, seine Stelle erfordert Präsenz. Und so wie er sich Flexibilität und Vertrauen vom Arbeitgeber wünscht, löst er sie auch selber ein, arbeitete zum Beispiel zwischendurch zwei Monate wieder Vollzeit, als es sehr viel zu tun gab. „Flexible Teilzeitmodelle sind ein Geben und Nehmen – und ich finde es klasse, dass das neue ElterngeldPlus sie weiter fördert und hoffentlich populärer macht!“

 

Tobias Rossnagel ist Vater von zwei Kindern und arbeitet als Personalreferent in vollzeitnaher Teilzeit bei Vodafone Düsseldorf. Er lebt mit seiner Familie in Köln.

Text aktualisiert am 22. Juni 2016

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