Gefühle wahrnehmen

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Gespeichert von chefredakteur am 22. Juni 2016
Frau und Mann auf einer Parkbank

Gefühle wahrnehmen

Tipp

Sich in die Vaterrolle einzufinden, ist nicht immer leicht: Mache ich alles richtig und so gut wie meine Partnerin? Darf ich mich manchmal nach meinem alten Leben sehnen? Solche Gedanken kennen frisch gebackene Väter. Damit ähnliche Gefühle Ihnen nicht die Freude am Vatersein nehmen, ist vor allem eines wichtig: Nehmen Sie sie bewusst wahr und sprechen Sie darüber!

 

Väter können zwar nicht gebären und stillen, sind aber ansonsten ebenso fähig, sich liebevoll und verantwortungsvoll um ihre Kinder zu kümmern wie ihre Partnerinnen. Dennoch haben Frauen und Männer aufgrund ihrer biologischen Voraussetzungen unterschiedliche Zugänge zu Schwangerschaft und Geburt. Und viele meinen: Was die Wahrnehmung von Veränderungen und den Kontakt zum Kind angeht, seien Frauen deutlich im Vorteil.

Unerwünschte Gefühle wahrnehmen

Ihr Kind wächst im Bauch Ihrer Partnerin heran, sie wird es – sicher mit Ihrer Unterstützung – zur Welt bringen und wahrscheinlich stillen. Manche Männer sehen sich dadurch klar im Nachteil. Wenn Sie sich auf diese Weise benachteiligt und ausgegrenzt fühlen, ist es wichtig, offen mit Ihrer Partnerin und/oder guten Freunden, die bestenfalls auch Kinder haben, zu sprechen. Denn lange ignorierte oder unterdrückte Gefühle können sich in Wutausbrüchen und Aggressionen ihren Weg bahnen und Sie so im Aufbau einer liebevollen Beziehung zu Ihrem Kind behindern. Also: Richten Sie den Blick bewusst auf die Schattenseiten Ihrer Vaterschaft. Für niemanden bedeutet Kinder zu haben das reine ununterbrochene Glück, auch wenn wir vielleicht Bilder von solch beseelt strahlenden Familien vor Augen haben. Tatsächlich ist es so, dass Sie mit Ihrer Partnerin einen zwar unglaublich magischen, aber eben auch massiven und sehr beängstigenden Umbruch in Ihrem Leben durchmachen.

Von der Wahrnehmung in die Aktion

All die ungewohnten Veränderungen und Gefühle in Ihrem Übergang zur Vaterschaft wahrzunehmen und darüber zu sprechen – das ist die eine Seite der Medaille. Aber Sie können und sollten Ihre Befürchtungen auch ganz aktiv verändern und kreativ werden. Versuchen Sie bereits in der Schwangerschaft, mehr von Ihrem Kind mitzubekommen. Informieren Sie sich über seine Entwicklung, stellen Sie sich vor, wie es wächst, und nehmen Sie in Gedanken Kontakt mit ihm auf. Sie können mit ihm sprechen und ihm etwas von sich und der Welt da draußen erzählen. Viele Anleitungen, wie sie Kontakt zu Ihrem Kind im Bauch Ihrer Partnerin aufnehmen können, finden Sie unter anderem im "Papa-Handbuch" (Richter & Schäfer 2005).

Nach der Geburt

Auch nach der Geburt Ihres Kindes ist es wichtig, dass Sie gut auf sich achten! Was passiert in Ihnen? Welche Gefühle löst die doch meist recht plötzliche Anwesenheit des neuen Familienmitglieds bei Ihnen aus? Gerade in den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt haben viele Väter manchmal das Gefühl, ausgegrenzt zu sein, weil zu Hause nichts mehr so ist wie früher. Mutter und Kind scheinen wie eine unzertrennliche Einheit und mancher fühlt sich als Eindringling in dieser Idylle, zieht sich zurück und konzentriert sich lieber auf das, was er kennt, und das ist meistens die Erwerbsarbeit.

Manche Väter werden in dieser Zeit eifersüchtig auf ihr Kind und drängen Ihre Partnerin beispielsweise, möglichst früh abzustillen, damit sie nicht länger ertragen müssen, dass die Mutter ihrem Kind in dieser Beziehungsphase körperlich und emotional mehr geben kann. Mehrere Studien haben diesen Zusammenhang zwischen der Einstellung des Vaters zum Stillen und dem tatsächlichen Stillerfolg und der Stilldauer nachgewiesen.

Und auch hier ist das Wichtigste: Sprechen Sie darüber! Wenn Sie einen Stich Eifersucht spüren; wenn Sie das Gefühl haben, dass es keinen Raum mehr für Zweisamkeit und Erotik mit Ihrer Partnerin gibt: Suchen Sie gemeinsam Zeitnischen und laden Sie Ihre Partnerin zu einem schönen Abend ein, bei dem alles möglich sein kann, aber nicht muss, und der auch hin und wieder von Ihrem Kind unterbrochen werden darf. Das ist viel einladender und lustvoller als frustrierte Vorwürfe, von denen die Lust meist im Keim erstickt wird.

Ihre Zeit mit Kind

Gegen Eifersucht auf Mutter und Kind hilft am besten, sich selbst Zeit und Raum mit Ihrem Kind zu nehmen. Das geht auch in der Stillzeit – in den immer länger werdenden Stillpausen oder mit abgepumpter Milch. Sprechen Sie mit Ihrer Partnerin Vater-Kind-Zeiten ab. Die Entlastung wird auch ihr gut tun und der intensive Kontakt mit Ihrem Kind wird Sie für manches entschädigen, denn letztlich geben Sie nicht nur einen Teil Ihres alten Lebens auf, Sie bekommen auch eine ganze Menge neues und spannendes Leben geschenkt.

Hilfe von außen

Doch manchmal, wenn negative Gefühle zu übermächtig scheinen oder Sie das Gefühl haben, weder einen Zugang zu sich noch zu Ihrer neuen Situation als Vater zu finden, hilft auch das Gespräch mit Familie und Freunden nicht. Scheuen Sie sich nicht, in solchen Situationen Hilfe von außen in Anspruch zu nehmen. Passende Angebote finden sie beispielsweise unter dem unten stehenden Link.

 Text aktualisiert am 22. Juni 2016

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