"Ich wollte ein später Vater sein"

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Gespeichert von chefredakteur am 14. März 2016
Ein Vater nimmt seine Tochter in den Arm

"Ich wollte ein später Vater sein"

Lebenserfahrung und ein Gefühl für die eigenen Bedürfnisse kommen der ganzen Familie zugute.

Niels Heinemann ist ein 42 Jahre alter Anwendungsentwickler und stolzer Papa von Zwillingen – seit vier Wochen. „Früher hab' ich keine Kinder gewollt“, sagt er, „denn da fühlte ich mich nicht gefestigt genug, hatte Schwierigkeiten, meinen eigenen Standpunkt zu vertreten.“ Das hat sich mittlerweile geändert.

 

Dass es auch für seine Kinder besser ist, mit dem Vaterwerden gewartet zu haben, bis er richtig im Leben steht, ist für Niels Heinemann offensichtlich: "Ich kenne Familien, da haben die Mütter mit ihrem Mann ein weiteres Kind im Haus, das sie managen müssen – so ein Vater wollte ich nie sein!" Der Vater des Anwendungsentwicklers war selbst schon 42 Jahre alt, als Niels geboren wurde. "Da hatte er schon einiges erlebt, also genug Lebenserfahrung, von der ich profitieren konnte. Denn mein Vater wusste auch, was er selber braucht – das finde ich wichtig."

Das musste Niels Heinemann für sich erst noch herausfinden, als seine damalige Freundin und er sich trennten. Zu der Zeit war der Bielefelder 35 Jahre alt. "Ich hatte zwei lange Beziehungen, direkt nacheinander, war seit meinem 16. Lebensjahr nie solo. Mit Mitte Dreißig habe ich dann einiges nachgeholt: Ich musste auf niemanden Rücksicht nehmen, bin feiern gegangen und habe mich treiben lassen." Während der nächsten drei Jahre wurde aber auch sein Wunsch nach Kindern immer größer.

Erst mal: Stiefvater

Der Kinderwunsch erfüllte sich zunächst anders als gedacht: Als Niels Heinemann mit seiner jetzigen Lebensgefährtin zusammenkam, wurde er damit gleichzeitig Stiefvater der sechsjährigen Tochter Roja. "Das war sehr facettenreich, weil ihr Papa  einige Zeit zuvor bei einem Unfall ums Leben gekommen ist", erzählt er. "Aber insgesamt hat Roja es mir leicht gemacht. Ich kannte sie vorher schon etwas, weil ich mit ihrer Mutter viele Jahre befreundet war. Sie ist ein herzliches, sehr soziales Mädchen und kann gut mit Menschen umgehen. Wenn wir mal Schwierigkeiten haben, regeln wir die unter uns. Ich kann immer mit ihr reden! Das ist toll".

In dieser Zeit wurde Niels Heinemanns Neugier auf die Babyzeit geweckt, die er bei seiner Stieftochter nicht miterlebt hat: "Als sie in mein Leben kam, konnte ich ja schon alles mit ihr besprechen und aushandeln. Wenn ich etwas zu kompliziert oder nicht kindgerecht erklärt habe, hat sie sich beschwert und so weiter." Wie der Umgang mit Babys und Kleinkindern läuft, blieb für ihn aber nebulös.

Doppeltes Glück

Und dann wurde seine Freundin schwanger. "Das Abenteuer startete für sie mit fünf Monaten Übelkeit – das hätten wir uns schon anders gewünscht. Ängstlich war ich aber nicht, wir fühlten uns gut betreut: Weil es Zwillinge waren, hatten wir alle zwei Wochen Ultraschalluntersuchungen, da war immer alles bestens." Von Gruselgeschichten über Zwillingsschwangerschaften hat sich das Paar nicht verunsichern lassen.

Und auch über die erste Zeit nach der Geburt hat Niels Heinemann zwanzig Jahre lang wilde Geschichten gehört. "Aber so empfinde ich das gar nicht," sagt er. Auch Horrorszenarien beim Windelnwechseln hat er so nicht erlebt. "Meistens ist das eher lustig. Klar, wir schlafen wenig – besonders die Mama, aber sonst ist es einfach perfekt!" Auf jeden Fall werde er einige Monate Elternzeit nehmen, um möglichst viel Zeit mit dem Duo und der ganzen Familie zu verbringen.

Niels Heinemann sieht sich bestätigt, sich erst spät auf das Abenteuer Vaterschaft einzulassen. Dass er es gleichzeitig mit einem Mädchen und einem Jungen erlebt und außerdem noch mit einer tollen Stieftochter, empfindet er als großes Geschenk.
(vaeter.nrw)

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Niels Heinemann ist 42 Jahre alt, arbeitet als
Anwendungsentwickler und lebt mit seiner Familie in Bielefeld.
 

Text aktualisiert am 25. Mai 2016

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