Ingenieur oder Erzieher?

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Gespeichert von chefredakteur am 25. Mai 2016
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Ingenieur oder Erzieher?

Eltern spielen bei der Berufswahl eine entscheidende Rolle. Dessen sollten sie sich bewusst sein.

Der Übergang von der Schule in den Beruf ist ein einschneidendes Ereignis. Eltern fällt dabei eine knifflige Aufgabe zu. Sie müssen Töchtern und Söhnen Orientierung geben, ohne die eigenen Wünsche in den Vordergrund zu rücken. Die zentrale Frage: Was passt zu meinem Kind?

 

„Geld verdienen kann man gut mit dem, was man gut kann“, sagt Professor Stephan Höyng. „Und das ist nicht unbedingt der Beruf, den Eltern und Gesellschaft passend und zukunftsträchtig finden. Als ich damals anfing, mich mit so genannten Männerthemen und Jungenarbeit zu beschäftigen, hätte auch niemand gedacht, dass ich damit mal meinen Lebensunterhalt verdienen könnte.“ Dass das hervorragend funktioniert, hat Stephan Höyng längst bewiesen. Heute ist er Professor für Jungen- und Männerarbeit an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin und führt Seminare zu geschlechterbewusster Sozialer Arbeit durch. Und er ist Vater eines 13-jährigen Sohnes.

Für den Wissenschaftler ist wichtig, dass Eltern ihre Kinder beim Übergang von der Schule in den Beruf offen und neugierig begleiten und sich mit ihren eigenen Vorstellungen zu den beruflichen Perspektiven der Kinder zurücknehmen. „Es ist menschlich, dass wir unsere Kinder in die Gesellschaft integriert sehen wollen, ihnen Erfolg und materielle Sicherheit wünschen.“ Allerdings suchen Eltern dann gerne nach Berufen, die ihrer Meinung nach passen, und drängen die Kinder dann mehr oder weniger sanft in diese Richtung. Solche Zwänge sind aber oft überhaupt nicht hilfreich bei der Suche nach Ausbildungsplatz oder Studium. Besser ist es, wenn Eltern ihren Kindern dabei helfen, ihre individuellen Interessen zu festigen, auch wenn diese nicht üblich sind.

Die eigenen Interessen entdecken

Das setzt Offenheit für die vorhandenen Fähigkeiten und Fertigkeiten der eigenen Kinder voraus. Stephan Höyng: „Väter sollten darüber nachdenken, welche Fähigkeiten ihr Kind tatsächlich mitbringt und welche Fähigkeiten sie nur zuschreiben und warum.“ Das jeweilige Geschlecht legt dabei häufig schon bestimmte Berufsfelder fest oder schließt andere aus. Bis heute. „Noch im Kindergarten gibt es kaum Unterschiede in der Entwicklung von Fähigkeiten, ob das jetzt Sprache, Kooperation oder technisch-mathematisches Interesse ist. Weil sie aber nicht selten geschlechterspezifisch gefördert werden, verfolgen Kinder bestimmte Interessen weiter und verleugnen andere“, so Stephan Höyng. Im Rahmen seines Projektes Chance Quereinstieg machte er immer wieder eine Beobachtung: Wenn der Druck durch Gleichaltrige nachlässt – etwa zwischen 25 und 30 Jahren – entdecken viele junge Männer ihr Interesse für einen sozialen Beruf und wollen wechseln.

Dazu passen auch die Erfahrungen, die der Wissenschaftler bei der Kampagne Männer in Kitas sammeln konnte. „Viele junge Männer interessierten sich tatsächlich für den Erzieher-Beruf, sobald durch Werbung die Aussage transportiert wurde, dass diese Arbeit ‚ja doch ganz cool sei‘. Unternehmen oder zum Beispiel die Bundeswehr machen ständig Werbung, soziale Träger aber haben dafür in der Regel kein Geld. Wenn aber beispielsweise Väter ihren Kindern vermitteln, dass der Beruf des Erziehers ebenso cool ist wie der des Chemikers, können die Jugendlichen leichter zu ihren Interessen stehen.“
(vaeter.nrw)

250px Bild HöyngProf. Dr. Stephan Höyng ist Professor für Jungen- und Männerarbeit an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin. Seine aktuellen Arbeitsschwerpunkte sind: Männlichkeit, Vereinbarkeit von Beruf und privatem Leben, Männer in Kindertagesstätten. Er leitet das Institut für Diversity und Gender in der sozialen PraxisForschung und darin das Projekt „Koordinationsstelle Männer in Kitas/Chance Quereinstieg“. Er wirkt im Vorstand von Dissens e.V. und des Bundesforums Männer mit. Stephan Höyng ist Vater eines 13-Jährigen Sohnes.

Text aktualisiert am 25. Mai 2016

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