Ausbildung zum Trainer von Vater-Kind-Angeboten startet 2019

Bild des Benutzers Angelika Främcke
Gespeichert von Angelika Främcke am 7. Juni 2018
Jürgen Haas
Interview
7. Juni 2018

Ausbildung zum Trainer von Vater-Kind-Angeboten startet 2019 in eine neue Runde

Gestalten Sie mit! Viele Väter suchen heute nach Spiel- und Gestaltungsräumen, um ihre Vaterrolle qualifiziert ausfüllen zu können. Kitas, Familienzentren und die Familienbildung in Nordrhein-Westfalen suchen Trainer für Vater-Kind-Angebote, Vater-Kind-Wochenenden und vieles mehr. Mit dem Fortbildungsbildungsangebot „Erziehungskompetenzen stärken“ bietet die Männerarbeit der Ev. Kirche im Rheinland, die Männerarbeit der Ev. Kirche von Westfalen und die Ev. Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL) ein besonderes Angebot, um die Zahl an qualifizierten, engagierten Trainern zu erhöhen. Sie möchten mehr über diese Ausbildung erfahren? vaeter.nrw sprach mit Jürgen Haas vom Institut für Kirche und Gesellschaft - Vater-Kind-Agentur.

 
vaeter.nrw:
An welche Zielgruppe richtet sich die Fortbildung?
Jürgen Haas:
Wir möchten mit unserem Angebot Männer unterschiedlichsten Alters erreichen. Sie sollten Interesse haben, Angebote für Väter und Kinder zu entwickeln und durchzuführen. Hierbei sind wir sehr offen dafür, welche unterschiedlichen Vorerfahrungen die Männer mitbringen. Oft kommen sie zwar aus pädagogischen Berufen, verpflichtend ist das aber nicht. Die Ausbildung vermittelt den Männern das entsprechende Knowhow.
vaeter.nrw:
Wie ist der zeitliche Rahmen der Ausbildung und welche Kosten entstehen den Teilnehmern?
Jürgen Haas:
Die Ausbildung umfasst sieben Module, die über ein Jahr verteilt sind. Eines der sieben Module besteht aus der Teilnahme an einer bereits bestehenden Vater-Kind-Aktion. Durch die Teilnahme soll „hautnah“ ein Einblick in die Praxis ermöglicht werden. Bei berufstätigen Teilnehmern suchen wir bei möglichen zeitlichen Problemen gemeinsam nach Wegen, um eine Teilnahme sicher zu stellen. Bislang ist dies in den meisten Fällen gut gelungen. Für die Teilnahme an der Ausbildung fällt pro Person ein Kostenbeitrag in Höhe von 495,00 Euro an. In diesem Beitrag sind neben den Seminargebühren die Unterbringungs- und Verpflegungskosten eingeschlossen.
vaeter.nrw:
Was ist das besondere an der Ausbildung?
Jürgen Haas:
Neben der Auseinandersetzung mit der Beziehung zum eigenen Vater ist es uns wichtig, wissenschaftliche Erkenntnisse zur Väter- und Familienforschung mit den Männern zu diskutieren und diese Erfahrungen anhand von konkreten Beispielen in die Praxis zu überführen. Unterstützung bekommen wir bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung durch die Experten der Ev. Hochschule RWL, die als Kooperationspartnerin seit vielen Jahren mit im Boot ist. Von den Männern, welche die Ausbildung absolviert haben, bekamen wir zudem die Rückmeldung, dass es für sie von besonderer Bedeutung war, mit anderen Männern in einem geschützten und strukturierten Rahmen im Austausch über Väter- und Männerthemen sein zu können.
vaeter.nrw:
Werden die Vater-Kind-Trainer nach Abschluss der Ausbildung von der Vater-Kind-Agentur vermittelt?
Jürgen Haas:
Es war von Anfang an unser Grundgedanke, interessierte Einrichtungen und qualifizierte Männer zusammen zu bringen. Absolventen unserer Ausbildung bekommen von uns ein Zertifikat und haben die Möglichkeit, sich bei Interesse von uns vermitteln zu lassen. Dies ist ein Angebot, aber keine Verpflichtung. Viele Männer bleiben aber in unserem Pool, weil wir neben der fachlichen Begleitung und Unterstützung auch den Erfahrungs- und Ideenaustausch der Trainer untereinander fördern und einmal im Jahr ein aufbauendes Weiterqualifizierungsangebot anbieten. Einige Trainer sind seit vielen Jahren für uns aktiv. Für die Durchführung von Abendveranstaltungen und Seminaren bekommen die Trainer eine kleine Aufwandsentschädigung.
vaeter.nrw:
Wie gestaltet sich der Einsatz von Vater-Kind-Trainern?
Jürgen Haas:
Über die Jahre hinweg haben wir eine Vielzahl von Kontakten und Kooperationsbeziehungen zu Kindertageseinrichtungen und Familienzentren aufbauen können. Über diese Kooperationspartner und -partnerinnen und mit Unterstützung von Vätern ermitteln wir den Bedarf von Angeboten und suchen daraufhin aus unserem Pool den jeweils passenden Trainer. Bei der weiteren Planung und auch bei der Durchführung des Kurses bekommt der Leiter vielseitige Unterstützung vom Team der Vater-Kind-Agentur. Von den Trainern werden z. B. Vater-Kind-Wochenenden durchgeführt. Die Trainer treffen sich vorab an zwei Terminen mit den Vätern, um das Wochenende zu planen. Auch das Angebot von Väterrunden hat einen hohen Stellenwert. Unsere Trainer leiten die Planungsgespräche wie auch die Vätertreffen und gestalten mit den Vätern auf diesem Weg den Seminarprozess.
vaeter.nrw:
Welche Vision haben Sie: wie viele Vater-Kind-Trainer sollte es in NRW geben? Was könnte sich dadurch ändern?
Jürgen Haas:
Väterarbeit und die Arbeit mit Vätern und Kindern als fester konzeptioneller Bestandteil der Elternarbeit in allen Kindertageseinrichtungen und Familienzentren – das wäre wunderbar und die richtige Konsequenz aus der Väter- Familien- und Kindheitsforschung. Auch nach der Kita- und Grundschulzeit sollten Vater-Kind-Angebote selbstverständlich sein. Leider ist dies noch viel zu wenig der Fall. Im Kita-Bereich ist die Anzahl der männlichen Fachkräfte, trotz Verbesserungen in den letzten Jahren, immer noch auf einem sehr niedrigen Level. Wir von der „Männerarbeit“ begrüßen und fördern es, dass sich die Zahl der männlichen Fachkräfte im pädagogischen Bereich erhöht. Mit der Ausbildung der Trainer sollen weitere männliche Ansprechpartner für Kitas gewonnen werden, um Väterarbeit zu etablieren und attraktive Angebote zu entwickeln. Da ist noch viel Luft nach oben.
Jürgen Haas
Zur Person:
Jürgen Haas

M.A. Supervision und Beratung
Referent für Familienbildung und Familienpolitik, Vater-Kind-Agentur, Regionalreferent Männerarbeit Südwestfalen im Fachbereich Männer, Familie, Ehrenamt
 

Relevante

Pressemitteilungen

Mehr dazu auf

vaeter.nrw