Kleiner Schrecken, große Freude

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Gespeichert von chefredakteur am 19. April 2016
Babybauch und Babyschuhe

Kleiner Schrecken, große Freude | Junger Papa, Teil 1

Ungeplante Vaterschaft

Eine unerwartete Schwangerschaft wirft viele Fragen auf. Besonders für junge Eltern kommen oft auch finanzielle und existenzielle Probleme hinzu: Sie haben keine fertige Ausbildung, fühlen sich noch nicht reif genug oder sind nicht unabhängig von ihren eigenen Eltern. Sascha (21) und Kerstin (23) aus Köln finden gerade Wege, ihr neues Leben zu meistern.

Seit zwei Monaten ist Euer Sohn auf der Welt. Habt Ihr Euch schon aneinander gewöhnt?

Sascha: Das ging schnell. Leon-Joel macht es uns einfach. Er schläft nachts ruhig – außer wenn er trinken will oder die Windel voll hat – und er futtert ordentlich. Vor allem ist es super, wenn er anfängt zu lächeln und dabei seine Augen strahlen.

Mit einem Säugling gibt es viel zu tun. Wie teilt Ihr Euch die Aufgaben?

Sascha: Weil ich mich im Moment beruflich neu orientiere und um eine zweite Ausbildung bewerbe, bin ich viel zu Hause. Also teilen Kerstin und ich uns alle Aufgaben. Stillen natürlich nicht, aber wickeln, waschen und spielen mit dem Kleinen. Er liegt gerne auf seiner Spieldecke wo über ihm lauter Sachen hängen, die rasseln oder blinken und wir machen dann Quatsch mit ihm.

Und im Haushalt?

Sascha: Einkaufen gehen wir ohnehin meistens zu dritt. Fürs Putzen und Aufräumen haben wir einen Plan gemacht, damit ist immer klar, wer gerade welche Aufgaben hat. Kerstin konnte ihre Ausbildung als Hauswirtschaftshelferin noch vor der Geburt von Leon-Joel abschließen und jetzt verrät sie mir ihre Tricks.

Warst Du selbst noch in der Ausbildung, als Kerstin schwanger wurde?

Sascha: Nein, ich habe nach meiner Ausbildung als Disponent für einen Logistiker in Dortmund gearbeitet. Aber fast zeitgleich mit der Nachricht, dass ich ein Kind bekomme, wurde mir aus betrieblichen Gründen gekündigt. Das macht den Start als Familie natürlich nicht leichter.

Wie hast Du denn von der Schwangerschaft erfahren?

Sascha: Eigentlich habe ich es schon vor Kerstin geahnt. Nach einer Party im Mai 2015 haben wir nicht groß über Verhütung nachgedacht und da war es passiert. In den Wochen danach fand ich, dass Kerstin irgendwie anders war und ich habe – halb im Spaß – gesagt, dass sie bestimmt schwanger ist. Als bei ihr die Periode ausblieb, wurde sie misstrauisch und ging zum Frauenarzt.

Und, großer Schrecken oder große Freude?

Sascha: Ich habe mich sofort gefreut. Aber einen kurzen Schrecken gab´s auch. Wir waren ja erst seit Jahresanfang zusammen, Kerstin steckte noch in der Ausbildung und wir hatten keine gemeinsame Wohnung. Außerdem habe ich damals sehr schlecht verdient und war etwas ratlos, wie das mit einem Kind laufen sollte. Aber wir haben auch immer selbstbewusst gesagt, dass wir das schaffen. Wir wollten das Kind dann auch wirklich bekommen und haben nicht über Abtreibung oder Adoption nachgedacht.

Wie haben Eure Familien reagiert?

Sascha: Das Verhältnis zu meiner Familie war einige Zeit echt schwierig. Deshalb haben die auch erst sehr spät davon erfahren. Kerstins Mutter musste kurz durchschnaufen und hat sich dann gefreut, dass sie Oma wird. Mit ihr haben wir auch gleich angefangen, Pläne zu schmieden. Sie wohnt in Köln und Kerstin und ich wollten mit dem Kind einen Neustart außerhalb Dortmunds. Da kam die Idee, zunächst zu ihr zu ziehen und von dort nach einer gemeinsamen Wohnung zu suchen.

So ein Neuanfang ist ja schon mit Job nicht leicht, wer hat Euch unterstützt?

Sascha: Noch während der Schwangerschaft sind wir zu jusch [Anm. d. Red.: jung und schwanger] im Kölner Gesundheitsamt gegangen. Die haben uns bei Anträgen zu Schwangerschaftsbekleidung, Erstausstattung für das Kind, Wohngeld, der Suche nach einer Hebamme und später auch der Wohnungssuche geholfen. Gut war aber auch, dass man mit denen über allgemeinere Sachen reden konnte: wie wir unser Leben gestalten wollen zum Beispiel. Außerdem hat die Unterstützung von Freunden uns sehr geholfen. Mit meinem besten Freund beispielsweise kann ich alles besprechen und er hat gleich gesagt, dass er beim Umzug dabei ist und beim Renovieren hilft.

 

Papa Sascha beim Wickeln.

Seit wann seid Ihr in Eurer eigenen Wohnung?

Sascha: Ungefähr zwei Wochen nach Leon-Joels Geburt sind wir hier eingezogen. Bei jusch haben sie uns den Verein Väter in Köln empfohlen und deren Projekt für junge Papas (juPa.pa!). Die haben unheimlich viel beim Tapezieren, bei der Küche oder mit neuen Möbeln geholfen. Und auch wenn es an ein paar Stellen noch was tun gibt, wir fühlen uns hier schon sehr zuhause.

Gibt es noch mehr Beratungsstellen, die Du empfehlen kannst?

Sascha: Wir hatten ein sehr gutes Gespräch mit einer Frau von der Diakonie. Hoffentlich kann die uns helfen, in der Nähe gute Mutter-Kind-Angebote zu finden und später einen Kitaplatz. Wir wollen uns in unserem Stadtteil gerne mehr integrieren und andere Eltern kennenlernen. Aber im Moment stehen wir für eine dauerhafte Betreuung auf einer Warteliste der Diakonie. Vielleicht klappt es ja in den nächsten Wochen.

Wie stellst Du Dir die Zukunft vor?

Sascha: Erst einmal wollen wir hier richtig ankommen, die Wohnung ganz fertig machen, Freunde finden. Wichtig ist aber auch, dass wir im Moment noch nicht für uns selber sorgen können. Das soll anders werden und wir wollen beide wieder arbeiten. Während Kerstin in ihrem Beruf bestimmt etwas finden wird, will ich noch eine neue Ausbildung zum Kanalbauer machen. Ich will mit dem neuen Beruf meine Familie selbstständig ernähren können und das wird auch klappen. Aber im Moment genießen wir es, dass wir uns haben und eine richtige Familie sind. Und wer weiß, vielleicht kommt eines Tage dann auch ein zweites Kind.

(vaeter.nrw)