Mehr als nur ein Konzentrationsproblem

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Gespeichert von chefredakteur am 29. Mai 2016
Kind verzweifelt am Schreibtisch

Mehr als nur ein Konzentrationsproblem

ADHS

Seit einigen Jahren geistert diese Abkürzung durch Medien und Erziehungseinrichtung: ADHS. Schnell ist sie zur Hand als Erklärung für schlechte Konzentrationsfähigkeit bei Kindern oder oppositionelles Verhalten bei Jugendlichen. Was ist ADHS wirklich? Wie äußert sich die Krankheit und wie kann man Betroffenen helfen?

 

Die Abkürzung ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom. Dabei handelt es sich um eine verminderte Fähigkeit zur Selbststeuerung. Das betrifft vor allem die Bereiche im Gehirn, die für die Aufmerksamkeit und Motorik zuständig sind. ADHS äußert sich so meist in Konzentrationsschwierigkeiten, Unruhe oder mangelnder Aufmerksamkeit. Daher werden häufig Lehrerinnen und Lehrern, Erzieherinnen und Erziehern aufmerksam, weil die betroffenen Kinder im Schulunterricht oder der Kita durch mangelnde Konzentration auffallen. Die meisten Wissenschaftler sind sich einig darüber, dass ADHS in hohem Maße genetisch bedingt ist. Daneben spielen eventuelle Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt eine Rolle sowie die äußeren Einflüsse (Elternhaus, Kindergarten, Schule), unter denen ein Kind aufwächst.

Wie viele Menschen sind betroffen?

Laut der KiGGS-Studie des Robert-Koch-Instituts, die sich mit der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland befasst, wurde bei insgesamt 5 % der untersuchten Kindern im Alter von 3 bis 17 Jahren ADHS diagnostiziert. Das sind rund 500.000 Betroffene. Bei Jungen wird häufiger ADHS festgestellt als bei Mädchen. Im allgemeinen Verständnis wird ADHS häufig als eine Erkrankung gesehen, von der nur Heranwachsende betroffen sind. Allerdings wächst sich ADHS nicht einfach aus, so dass die meisten Erkrankten auch als Erwachsene noch Probleme haben.

Wie wird ADHS diagnostiziert?

Eine Diagnose ist aufwendig und muss einen längeren Zeitraum erfassen, um festzustellen, ob es sich wirklich um ADHS handelt. Da die Symptome auch auf andere Krankheiten hindeuten können, ist die Diagnose anfällig für Fehler.

Wie wird ADHS behandelt?

Zunächst sollten sich Eltern und Kind ausführlich zu ADHS beraten lassen, um herauszufinden, welche Strategien in ihrem Alltag hilfreich sind. Auch Erzieherinnen und Erzieher bzw. Lehrerinnen und Lehrer des Kindes sollten in die Beratung miteinbezogen werden. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung geben den betroffenen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, die für sie wichtige Unterstützung zu erhalten. Mögliche Schwierigkeiten durch unbehandeltes und dadurch zunehmend problematisches Verhalten entstehen so gar nicht erst.

Häufig ist es sinnvoll, verschiedene Behandlungsformen zu kombinieren: Elterntraining mit unterstützenden Hilfen in der Familie oder in Schule und Kindergarten verbunden mit einer direkten Therapie des Kindes oder Jugendlichen. Alle Behandlungen haben zum Ziel, das Kind zu unterstützen, sein hyperaktives, impulsives und unaufmerksames sowie möglicherweise aggressives Verhalten zu verringern. So lernen Betroffene in einer Verhaltenstherapie, wie sie mit der Erkrankung umgehen können. Eine spezielle Lerntherapie kann Kinder und Jugendlichen mit Methoden vertraut machen, wie sie in der Schule besser zurechtkommen.

Darüber hinaus kann ADHS mit Medikamenten behandelt werden. In der Regel werden dabei sogenannte Stimulanzien eingesetzt, vor allem Methylphenidat und Amphetamine. Methylphenidat wirkt anregend und steigert die Konzentrationsfähigkeit. Die Einnahme muss sorgfältig abgewogen werden, weil es wie bei allen Medikamenten Nebenwirkungen geben kann. Dazu gehören Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Übelkeit, Kopfschmerzen und Wachstumsstörungen.

Wie können Väter ihr Kind unterstützen?

Väter können ihre Kinder unterstützen, indem sie Methoden aus den Therapien zuhause anwenden und das richtige Verhalten mit ihren Kindern üben.

Sie sollten allerdings auch ein wachsames Auge auf sich selbst haben, damit die Erkrankung des Kindes zu keiner Überforderung führt. Dabei kann auch ein Austausch mit anderen Eltern helfen. In vielen Städten gibt es Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen, die dabei unterstützen.

Wo gibt es geeignete Therapien und wer finanziert sie?

  • Kinder- und Jugendärzte können grundlegend beraten und die medikamentöse Therapie durchführen und kontrollieren. Außerdem verordnen sie, falls nötig, Ergo-, Logo- (Sprach-) und Psychotherapien.
  • Viele Kinder- und Jugendpsychiater bieten grundlegende Beratung an, Elterntrainings, eine medikamentöse Behandlung. Sie können ebenfalls Logo- und Ergotherapien verschreiben.
  • Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten bieten Therapien nach anerkannten Verfahren an. Die Finanzierung erfolgt über die Krankenkassen. Bisher anerkannte Verfahren sind die Verhaltenstherapie, die tiefenpsychologische fundierte Psychotherapie und die analytische Psychotherapie. Psychologische und ärztliche Psychotherapeuten sollten nur dann aufgesucht werden, wenn sie eine zusätzliche Qualifikation für Kinder- und Jugendlichen-Therapie erworben haben. Psychotherapien müssen vor Behandlungsbeginn von den Krankenkassen bewilligt werden, damit diese die Kosten übernehmen. Es besteht die Möglichkeit, Probesitzungen in Anspruch zu nehmen.
  • Auch zahlreiche Beratungsstellen wie die schulpsychologischen Dienste, Erziehungsberatungsstellen und Frühförderzentren bieten Psychoedukation, psychologische und ergänzende Therapien an – in der Regel kostenlos.
  • Dieses Angebot gibt es auch in den die Sozialpädiatrischen Zentren. Sie können zudem Medikamente verordnen sowie Logo- bzw. Ergotherapien in ihren eigenen Teams durchführen. Diese Leistungen sind krankenkassenfinanziert.
  • Logo-, Physio- und ergotherapeutische Praxen bieten Behandlungen auf ärztliches Rezept an und werden dann ebenfalls über die Krankenkassen finanziert. Die so genannte Mototherapie ist keine Kassenleistung, wird aber von unterschiedlichen Gruppen mit anderen Finanzierungsmodellen angeboten.
  • Lerntherapeuten fördern bei Schulleistungsstörungen, z.B. im Lesen, Schreiben oder Rechnen. Diese Therapien werden in der Regel nicht von den Krankenkassen finanziert.
  • In kinder- und jugendpsychiatrischen Kliniken können Betroffene ambulante, stationäre und teilstationäre Behandlungen in Anspruch nehmen. Diese umfasst in Form einer Komplexleistung ärztliche Behandlung, Psychotherapie, Physio-, Logo-, und Ergotherapie und soziale Unterstützung.

(vaeter.nrw)

Weitere Informationen:
Bundesgeschäftsstelle: ADHS Deutschland e. V.
Selbsthilfe für Menschen mit ADHS
Poschingerstr. 16; 12157 Berlin
Tel. 030 85 60 59 ; Fax 030 85 60 59 70
E-mail: info@adhs-deutschland.de
Internet: www.adhs-deutschland.de

 

Text aktualisiert am 11.06.2016

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