Papas im Doppelpass

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Vater und Kind in der Natur
13. Dezember 2016

Papas im Doppelpass

Väter-Angebote in Münster

Speziell auf Väter zugeschnittene Angebote sind eher selten. Dabei zeigt sich oft, dass die Papas durchaus motiviert sind, andere Väter zu treffen und sich über Erfahrungen, Wünsche und Probleme auszutauschen. Auch beim Thema Beratung profitieren Anbieter, wenn sie die Väter gezielter in den Blick nehmen. Der Caritasverband Münster e. V. hat vor ein paar Monaten zwei konkrete Väterprojekte gestartet.

 

In Münster ist es wie in vielen anderen Städten: Babymassage, PEKiP, Elternkurse, Schlafberatung … die meisten Angebote sind eigentlich auf Mütter ausgerichtet. Das beginnt bei der Ansprache in Flyern oder im Internet, die sich häufig direkt an die Mütter wendet und setzt sich bei den gebotenen Themen fort. Auch die Uhrzeiten für Kurse und Veranstaltungen machen es – zumindest den mehrheitlich voll berufstätigen Vätern – nicht immer leicht, teilzunehmen. Daran störten sich auch der Familientherapeut Rüdiger Dreier vom Caritasverband Münster und zwei seiner Kollegen: „Als wir selber Kinder bekamen, wurde uns diese Orientierung auf die Mütter erst so richtig bewusst. Und im Frühling 2016 beschlossen wir, zumindest bei uns in der Caritas daran etwas zu ändern.“

Spieletreff für Väter

Die Berater und Therapeuten überlegten, welche Väter-Angebote interessant sein könnten und kamen zu dem Schluss, dass Väter eher zu männlichen Beratern kommen. Außerdem entwickelten sie einen Fragebogen um den Bedarf zu klären: „Beispielsweise wollten wissen, welche Uhrzeiten gefragt sind. Oder welche Themen sich Väter wünschen. Und ob ein Online-Chat oder ein Väterstammtisch attraktiv sind“, sagt Rüdiger Dreier. Die Väter-Befragung läuft aktuell noch. Aber die Caritas startete schon im Juli mit dem ersten Angebot für Väter in Elternzeit: Jeden Mittwoch Morgen treffen sich Väter mit ihren Kindern von null bis drei Jahren zur PAPAZEIT in der Caritas-Beratungsstelle in Münster-Hiltrup.

Offiziell läuft das Projekt als Spieletreff und in es wird auch reichlich gespielt und getobt „aber für uns steht der Austausch der Papas untereinander im Zentrum und nicht das Bildungsangebot für Kleinkinder“ sagt der Familientherapeut. Die Väter nutzen die Gelegenheit, miteinander zu besprechen, wie man am besten Grenzen setzt oder bis zu welchem Alter die Kinder im Elternbett schlafen dürfen. Auch ganz praktische Fragen werden geklärt: Was sind gute Spielsachen für Zweijährige? Wo steht der Wickeltisch? Kann man trotz Krabbelkindern einen Tannenbaum aufstellen? Rüdiger Dreier freut sich über die Resonanz: „Wir hatten für das erste halbe Jahr mit zwei bis drei Vätern pro Termin gerechnet. Tatsächlich kommen aber doppelt so viele – oder aber auch mal neun. Und die Mischung stimmt: Ehemänner und Alleinerziehende, Lehrer, Polizisten, Hausmeister. Hier treffen sie alle zusammen“

Gestärkte Teamplayer

Während in der PAPAZEIT mehrere Väter und Kinder gemeinsam Zeit verbringen, ist die zweite Neuerung der Caritas Münster eine reine Face-to-Face-Beratung. Beim DOPPELPASS haben Väter immer einen männlichen Erziehungsberater, Psychologen oder Sozialpädagogen als Gegenüber. „Das ist für viele Väter ein Grund mehr, zu uns zu kommen“, sagt Rüdiger Dreier. „Biologische Väter, soziale Väter, Trennungsväter – alle haben ihre persönliche Lebenslage mit mehr oder weniger speziellen Sorgen und Problemen. Im DOPPELPASS wollen wir die Väter unterstützen, ihr Zusammenspiel mit der Familie besser hinzubekommen.“

In den Gesprächen geht oft darum, den Alltag besser zu gestalten und Konflikte zu lösen. Beispielsweise, wenn die Mutter andere Erziehungsvorstellungen hat, Arbeit und Beruf nicht unter einen Hut passen oder ein Vater nicht weiß, wie trotz Trennung intensiven Kontakt zu seinem Kind behält. Viele Väter suchen auch noch nach einem konkreten Bild von ihrem Vatersein: Wie baue ich Nähe und eine Bindung zu meinem Kind auf? Wie begeistere ich es, wie spiele ich mit ihm am besten? Wie kann ich zeigen, dass ich ein fähiger Vater bin? Für den Familientherapeuten Dreier ist Stärkung ein zentrales Ziel: „Gerade bei jungen Vätern ist es wichtig, ihnen Sicherheit zu geben. Sie sollen ihren Standpunkten und Vorstellungen, ihrer Art, mit dem Kind umzugehen, vertrauen. Das stärkt auch ihre Position gegenüber der Mutter, die sich nach Schwangerschaft und Geburt manchmal erst daran gewöhnen muss, dass da jetzt ein Vater mitspricht.“

  Info
Die PAPAZEIT findet immer mittwochs von 9.30 bis 11.00 Uhr in der kleinen Turnhalle in der Caritas-Beratungsstelle, Westfalenstraße 197 in Hiltrup statt. Das Angebot ist kostenfrei und eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Die Väterberatung DOPPELPASS ist ebenfalls kostenfrei und wird in vier verschiedenen Stadtteilen Münsters angeboten. Interessierte Väter können einen persönlichen Termin vereinbaren. Die Berater sind an die Schweigepflicht gebunden.
 
 

Diplom-Sozialpädagoge Rüdiger Dreier ist Koordinator für Väterarbeit im Caritasverband Münster. Der gelernte Schlosser ist selbst Vater von zwei Kindern.  

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