Väter zwischen Wunsch und Wirklichkeit

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Gespeichert von chefredakteur am 10. Juni 2016
Mann und Kinder spielen Wasserschlacht

Väter zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Mehr Zeit für die Familie

Wo bleibt die Zeit? Dieser Frage geht die Zeitverwendungsstudie des Statistischen Bundesamtes 2015 auf den Grund. Die aktuellen Daten wurden im August 2015 vorgestellt und bringen neben Erwartbarem auch einige neue Erkenntnisse.

 

Jeder dritte Vater wünscht sich mehr Zeit für seine Kinder, jeder zweite berufstätige Vater möchte seine Arbeitszeit eigentlich reduzieren. Laut Studie gelingt das aber nach wie vor nicht: Statistisch gesehen verbringen Väter lediglich zehn Minuten mehr pro Tag mit ihrem Nachwuchs als vor zehn Jahren und kommen somit auf 51 Minuten täglich. Mütter betreuen ihre Kinder immer noch doppelt so lange wie Väter. Sie wenden eine Stunde und 45 Minuten pro Tag für diese Tätigkeit auf.

Die Studie betrachtet auch den Anteil bezahlter und unbezahlter Arbeit: Frauen arbeiten durchschnittlich 70 Prozent ihrer Zeit unbezahlt und 30 Prozent im Job. Männer dagegen verbringen 62 Prozent mit bezahlter Arbeit und 38 Prozent unbezahlt. Zusammen genommen arbeiten Frauen wöchentlich eine Stunde länger als Männer. Seit der letzten Zeitverwendungsstudie 2003 arbeiten Väter heute 3,5 Stunden mehr in unbezahlter Hausarbeit und Kinderbetreuung als vor zwölf Jahren. Erwerbstätige Väter arbeiten im Schnitt 40 Stunden, sogar eine Stunde länger als Männer ohne Kind.

Dr. Martin Bujard vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung erklärt dieses Phänomen mit der Übernahme finanzieller Verpflichtungen für die Familie: Viele Väter würden das fehlende Gehalt mit längerer Arbeitszeit auffangen, wenn die Mütter nach der Geburt des Kindes ihre Erwerbstätigkeit reduzieren. Diese Entwicklung widerspricht jedoch den Wünschen der meisten Väter, mehr Zeit mit der eigenen Familie zu verbringen.

Väterzeit im Haushalt und mit Kinderbetreuung

Laut den Daten des Statistischen Bundesamts verbringen Väter in Deutschland durchschnittlich drei Stunden pro Tag mit Haushaltsführung und Betreuung der Familie, Mütter noch einmal zweieinhalb Stunden mehr als ihre Partner. Im internationalen Vergleich ist die Zeit, die Väter in Deutschland mit Kinderbetreuung und Hausarbeit verbringen, in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich angestiegen (Abb. 1a). Kinderbetreuung zeigte dabei einen noch deutlicheren Aufwärtstrend als Hausarbeit. Nicht nur die Zeit in Minuten, sondern auch der Anteil der Väter, die überhaupt Zeit mit ihren Kindern verbringen, nahm in den vergangenen zehn Jahren deutlich zu.

 

Nach einer aktuellen Umfrage des Allensbach Instituts für Demoskopie bejahen 57 Prozent der befragten Eltern die Aussage „Ich finde es für eine Familie am besten, wenn beide Eltern gleich viel arbeiten und sich die Kinderbetreuung gleichermaßen aufteilen." Doch bei der Betreuung der Kinder und bei der übrigen Familienarbeit schultern die Mütter nach wie vor den größeren Teil der Aufgaben. Väter erledigen deutlich weniger, so die Ergebnisse dieser Umfrage. Aktuell übernehmen 74 Prozent der Väter weniger als die Hälfte der Kinderbetreuung, ein Gutteil von ihnen sogar nur einen kleinen Teil oder kaum etwas.

Diese Aufteilung wird den Idealvorstellungen vieler Väter und Mütter nicht gerecht, denn: 52 Prozent der Väter würden am liebsten die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen, sechs Prozent sogar mehr als die Hälfte. Fast ein Drittel der Väter gibt an, dass sie sich gern auch im Alltag mehr um ihre Kinder kümmern würden, als es ihnen im Moment möglich ist.

Familienzeit – die Qualität zählt

Immerhin 69 Prozent der aktuell befragten Väter sind davon überzeugt, sich mehr an der Erziehung und Betreuung ihrer Kinder zu beteiligen als ihre Väter es früher taten. Und um die Freuden und Ängste eines Kindes zu teilen, braucht man Zeit – Zeit fürs Zuhören, Kuscheln und einfach nur „da sein“. Ein Papa muss nicht Supermann sein, denn diese Rolle überfordert Männer: Jeder dritte Mann – bei den Singles sogar jeder zweite – hat das Gefühl, den an ihn gestellten Erwartungen nicht gewachsen zu sein.
(vaeter.nrw)
 

Text aktualisiert am 10. Juni 2016

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