Wie sag ich‘s meinem Chef?

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Gespeichert von chefredakteur am 29. Mai 2016
Zwei Männer im Gespräch

Wie sag ich‘s meinem Chef?

Elternzeit & Vereinbarkeit

Natürlich treffen Väter, die Elternzeit anmelden, nicht bei jedem Chef auf ungeteilte Begeisterung. Aber mit guter Vorbereitung und etwas Geschick lässt sich diese Hürde nehmen. „In der Regel werden die zwei Monate Elternzeit in den Firmen durchgewinkt“, sagt Hans-Georg Nelles, der seit über 15 Jahren für zahlreiche Projekte im Themenfeld „Vereinbarkeit von Arbeit und Leben“ verantwortlich ist.

 

Elternzeit = Karrierestop?

Die Befürchtung vieler Männer, mit der Elternzeit der eigenen Karriere zu schaden, ist eigentlich überflüssig. Es könne wohl mal passieren, räumt Nelles ein, dass die Elternzeit die Karriere eines Vaters verzögere, aber das sei nicht die Regel. Dies wird auch bestätigt durch eine neue Studie der Hans-Böckler Stiftung, in deren Beirat Nelles sitzt. „Diese Befürchtung wiederholen insbesondere solche Väter immer wieder, die selber noch keine Elternzeit genommen haben.“



Wer jedoch sorgenfrei und ohne Reue die Zeit mit seinem Kind genießen möchte, sollte frühzeitig das Gespräch mit seinem Vorgesetzten suchen. Denn die meisten Befürchtungen des Chefs lassen sich im Vorfeld mit guter Planung ausräumen. Werdenden Vätern, die in Elternzeit gehen wollen, rät Hans-Georg Nelles, unbedingt einige Punkte zu beachten, um Ärger zu vermeiden.

Mit der Partnerin sprechen

Ein Tag mit einem Kleinkind hat eine Menge Facetten und folgt keiner festen Struktur. Ein bisschen Improvisationsmanagement sollte sich der zukünftige Vater also schon zutrauen, wenn er mit Windel, Brei und Strampler jongliert. Ist das der Fall, sollte man das Gespräch mit der Partnerin suchen und klären: Wie stellen wir uns unsere Aufgabenteilung vor? Vielleicht hat die Partnerin Bedenken bei der Vorstellung, dass ihr Mann länger zuhause bei den Kindern bleibt.



„Das erlebe ich immer wieder“, erzählt Hans-Georg Nelles, „dass mir Väter berichten, sie hätten sich nicht getraut, dagegen zu halten und sich dann eben mit zwei Monaten Elternzeit und der Ernährerrolle zufrieden gegeben“. In einem solchen Gespräch müssen die werdenden Eltern ihre Vorstellungen aushandeln und nicht zuletzt die finanzielle Verantwortung klären. 

Gespräch mit den Vorgesetzten vorbereiten

Wer mit einem klaren Konzept an den Chef herantritt, wird im Gespräch auch sicher und überzeugend auftreten. „Oft zielen die Bemerkungen des Chefs darauf ab, herauszufinden, wie ernst es dem Mitarbeiter eigentlich mit seinem Plan ist“, erklärt Hans-Georg Nelles. „Da werden Spielchen gespielt. Aber wenn jemand klar macht, dass es ihm ernst ist, kommen Chef und Angestellter am Ende meist zu einem guten Ergebnis.“



Deshalb sollte ‚Mann‘ auch so früh wie möglich mit dem Vorgesetzten reden. Rein rechtlich, schränkt Nelles ein, ist dieser Tipp allerdings problematisch, denn ein werdender Vater genießt erst acht Wochen vor der Elternzeit Kündigungsschutz, muss seine Entscheidung aber spätestens sieben Wochen vor Antritt bekanntgeben. Rechtlich ist er also nur eine Woche lang abgesichert – sehr bedauerlich, findet der Organisationsberater. Deshalb rät er, sich vorher im Betrieb umzuhören, welcher Vater in der Vergangenheit welche Erfahrungen gemacht hat und wie der Chef zur Elternzeit steht.

Den Vorgesetzten etwas anbieten

Den Vorgesetzten geht es ja in erster Linie darum, ihr Unternehmen am Laufen zu halten. Wenn ‚Mann‘ ihnen also das Gefühl gibt, nicht einfach zu verschwinden, sondern Verantwortung zu übernehmen, ist schon viel gewonnen. Konkret heißt das: Der werdende Vater sollte Vorschläge äußern, wie die Arbeit, die er macht, fortgeführt werden kann, vor allem in den Bereichen der eigenen Kernkompetenz. Und: Wenn er eine längere Elternzeit plant, könnte er mithilfe des ElterngeldPlus weiterhin einen Anteil Stunden übernehmen. „Dem Chef diese Sorgen zu nehmen, ist wichtig – auch für einen selbst“, erklärt Hans-Georg Nelles, „denn man selbst verliert dann auch nicht den Anschluss und bleibt am Ball.“

Und wenn´s doch Ärger gibt

Wenn der Chef trotzdem Ärger macht, sollte man ihm Zeit lassen, sich auf die neue Situation einzustellen, rät Nelles. Das ist natürlich nur möglich, wenn der werdende Vater frühzeitig das Gespräch gesucht hat. Nur dann kann er sagen: „Okay, wir reden später nochmal drüber“, sobald sich die Wogen geglättet haben. Und wenn nichts hilft, sollte der werdende Vater die dummen Sprüche überhören und versuchen, sich auf das bevorstehende Abenteuer Elternzeit konzentrieren.

(vaeter.nrw)



Hans-Georg Nelles ist Sozialwissenschaftler, Erwachsenenbildner und Organisationsberater. Er führt seit mehr als 15 Jahren Projekte zu „Vereinbarkeit von Arbeit und Leben“ durch – vor allem mit Vätern. Seine Themenschwerpunkte: die Gestaltung der Elternzeit, familienbewusste Arbeitszeiten und eine familienfreundliche Unternehmenskultur. Hans-Georg Nelles ist Vater von drei erwachsenen Kindern.

Kontaktdaten:

Hans-Georg Nelles

nelles@vaeter-und-karriere.de

www.vaeterblog.de

 

 
Text aktualisiert am 29.05.2016
 

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