FAQ: Zu Besuch beim Amt – Teil 2

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27. Juni 2016

FAQ: Zu Besuch beim Amt – Teil 2

Was nach der Geburt zu organisieren ist – FAQ Teil 2: Finanzielle Leistungen und die Krankenversicherung

Je nach Lebenssituation müssen Väter nach der Geburt ihres Kindes einige bürokratische Aufgaben erledigen. Jetzt hilft eine Checkliste – zum Beispiel für finanzielle Themen. In dieser geht es ums Finanzamt, Familienkasse, Arbeitgeber, Elterngeldstelle und die Krankenkasse.

 
Was ändert sich bei der Lohnsteuer?

Seit der Einführung der elektronischen Lohnsteuerkarte sind die Meldebehörden verpflichtet, die Geburt eines Kindes der Finanzverwaltung mitzuteilen. Die Eltern müssen nicht aktiv werden.


Mit der Geburt des Kindes ändern sich die Steuermerkmale. Für jedes Kind erhalten die Eltern einen Kinderfreibetrag. Grundsätzlich steht jedem Elternteil „sein eigener, halber“ Freibetrag zu. Auf der Lohnsteuerkarte wird deshalb regelmäßig die Kinderfreibetragszahl 0,5 eingetragen.


Bei der steuerlichen Zusammenveranlagung von verheirateten Eltern sind die beiden hälftigen Freibeträge zu einem „vollen“ Gesamtbetrag zusammengerechnet. Wählen die verheirateten Eltern die Lohnsteuerklassen IV, erhalten sie beide die Kinderfreibetragszahl 0,5. Das gilt auch für die Wahl der Lohnsteuerklassen IV mit Faktor. Seit 2010 können Ehepaare die steuermindernde Wirkung des Ehegatten-Splittings im laufenden Kalenderjahr über die Wahl eines sogenannten Faktors nutzen – als Alternative zur Steuerklassenkombination III/V. Mit dem Faktorverfahren wird der Lohnsteuerabzug der voraussichtlichen Jahressteuerschuld im Vergleich zur Steuerklassenkombination III/V sehr genau angenähert. Der Antrag kann beim Finanzamt gestellt werden.


Wählen die Eheleute die Steuerklassenkombination III/V, erhält der Elternteil in der Steuerklasse III den Kinderfreibetrag voll zugerechnet und den Zähler 1 auf der Lohnsteuerkarte eingetragen.


Der Eintrag des Kindes auf die Lohnsteuerkarte wirkt sich allerdings nur auf die Höhe der Zuschlagsteuern (Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer) aus, hat aber keinen Einfluss auf die Höhe der Lohnsteuer. Auch führen die eingetragenen Kinderfreibeträge auf der Lohnsteuerkarte nicht automatisch zur Zahlung des Kindergeldes. Das Kindergeld muss gesondert bei der Familienkasse beantragt werden.

 

Wie beantrage ich Kindergeld?

Für das erste und zweite Kind gibt es 2017 je 192 Euro Kindergeld. Für das dritte Kind steigt der Betrag auf 198 Euro, für das vierte und jedes weitere Kind erhalten die Eltern 223 Euro pro Monat. Der Antragsvordruck ist bei der Familienkasse oder über die Internetseite der Arbeitsagentur erhältlich. Die zur Beantragung des Kindergeldes vom Standesamt ausgestellte Geburtsbescheinigung muss mitgeschickt werden. Eine zusätzliche Voraussetzung für den Bezug von Kindergeld ist ab 2016 die Angabe der Steuer-Identifikationsnummern (Steuer-ID) des Kindergeld-Berechtigten und der Kinder, unabhängig von deren Geburtsdatum.

Angestellte oder Beamte im öffentlichen Dienst erhalten das Kindergeld von der Kindergeldkasse ihres Arbeitgebers.

Der monatliche Anspruch auf Kindergeld verjährt nach vier Jahren. Es ist also ratsam, den Antrag innerhalb der ersten vier Lebensjahre des Kindes zu stellen.

Der monatliche Anspruch auf Kindergeld verjährt nach vier Jahren. Es ist also ratsam, den Antrag innerhalb der ersten vier Lebensjahre des Kindes zu stellen.

 

Wann und wie melde ich meine Elternzeit an?

Elternzeit ist beim Arbeitgeber mit einer gesetzlichen Frist von sieben Wochen vor Beginn anzumelden. Der Antrag muss schriftlich erfolgen und eine verbindliche Angabe darüber beinhalten, wann die ersten beiden Jahre der Elternzeit in Anspruch genommen werden sollen.

Für Väter, die bereits ab der Geburt des Kindes in Elternzeit gehen möchten, ist der errechnete Geburtstermin ausschlaggebend. Der Arbeitgeber ist in der Anmeldung zur Elternzeit über den voraussichtlichen Geburtstermin zu informieren.

Vertiefende Informationen zur Elternzeit finden Sie bei den FAQs auf www.vaeter.nrw und beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

 

Wo und wie beantrage ich Elterngeld?

Elterngeld kann ab dem Tag der Geburt des Kindes bei der zuständigen Elterngeldstelle am Wohnort der Eltern beantragt werden.

Es wird drei Monate nach Beantragung bis zu drei Monate rückwirkend gezahlt. Der Elterngeldantrag ist in der Regel von beiden Elternteilen zu unterschreiben. Elterngeld kann online beantragt werden, nähere Informationen Sie hier . Dort ist auch die für Sie örtlich zuständige Elterngeldstelle in Nordrhein-Westfalen zu finden.

Vertiefende Informationen zur Gestaltung des Elterngeldbezuges finden Sie bei den FAQs auf www.vaeter.nrw und in der Broschüre Elterngeld, ElterngeldPlus und Elternzeit  des Bundesfamilienministeriums.

Was ist bei der Krankenversicherung fürs Kind zu beachten?

Wie das Kind krankenversichert ist, richtet sich nach dem Versichertenstatus der Eltern. Sind die Eltern miteinander verheiratet und beide bei der gesetzlichen Krankenkasse versichert, wird das Kind beitragsfrei über die so genannte Familienversicherung mitversichert. Sind die Eltern Mitglied bei verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen, so können sie wählen, bei welchem Elternteil das Kind mitversichert sein soll. Ist der Hauptverdiener der Familie privat versichert und erzielt ein regelmäßiges Jahresbruttoeinkommen, das die jährliche Versicherungspflichtgrenze (2016: 56.250 Euro) überschreitet, dann ist eine Familienversicherung des Kindes ausgeschlossen. In diesem Fall muss das Kind privat oder freiwillig gesetzlich versichert werden und es wird monatlich ein eigener Beitrag für das Kind fällig.


Sind die Eltern nicht miteinander verheiratet, können die Eltern frei entscheiden, ob das Kind über die Mutter oder den Vater versichert wird. Soll es bei der Krankenkasse oder privaten Versicherung des Vaters aufgenommen werden, wird eine (beglaubigte) Urkunde über die Vaterschaftsanerkennung benötigt.


Im Falle einer gesetzlichen Versicherung des Kindes ist die Krankenkasse so schnell wie möglich nach der Geburt zunächst telefonisch zu informieren. Sie schickt ein Formular, das auszufüllen und zurückzusenden ist, und benötigt die Geburtsurkunde als Nachweis. In der Regel erhält das Kind nach etwa zwei Wochen eine eigene Versicherungskarte.

Soll das Kind privat versichert werden, können die Eltern unter den Angeboten der Versicherungsgesellschaften im Prinzip frei wählen – es ist aber eine Prüfung der Gesundheit des Kindes erforderlich. Diese entfällt nur, wenn das Neugeborene spätestens zwei Monate nach dem Tag der Geburt rückwirkend zum Ersten des Geburtsmonats bei der privaten Versicherung angemeldet wird, bei der ein Elternteil seit mindestens drei Monaten versichert ist. Auch hier ist eine Geburtsurkunde an den Versicherer zu schicken.


Lesetipp: Die Aufgaben beim Jugendamt, Standesamt und Einwohnermeldeamt finden sich in den FAQ Teil 1. [LINK?]

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