Glücksgefühle, Angst und viele Fragen

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Gespeichert von chefredakteur am 22. Juni 2016
Vater streichelt Baby

Glücksgefühle, Angst und viele Fragen

Junge Väter

Junge Väter durchleben oft ein Wechselbad der Gefühle: Freude, Überforderung und Unsicherheit bestimmen ihren Alltag. Und es fällt nicht leicht, auf einmal die Zeit mit Wickeln und Füttern zu verbringen und die Nächte mit Kind durchzumachen statt auf einer wilden Party. Deshalb brauchen gerade junge Papas Unterstützung auf dem Weg in das Leben mit Kind.

 

Unterstützung von außen anzunehmen ist wichtig, ob durch die Großeltern, Freunde oder das Jugendamt. Dennoch sind Konflikte zwischen den Eltern nach der Geburt nicht zu vermeiden, egal wie viele Jahre sich die Beziehung schon bewährt hat, egal wie alt die Eltern sind – immer müssen Aufgaben, Rollen und Verantwortlichkeiten neu verteilt und ausgehandelt werden. Anspannung, Schlafmangel und Erschöpfung machen das nicht leichter.

Anfangs fühlen sich viele Väter auch ein bisschen hilflos, denn die Mutter scheint eine stärkere Bindung zum Kind zu haben. Sie fragen sich, wofür sie eigentlich gut sind, wenn ihre Freundin/Frau das Kind gerade stillt oder es auf Papas Arm herzzerreißend schreit und in Mamas direkt verstummt? Da hilft es, nicht sich selber, sondern erfahrene Väter, die eigenen Eltern oder Großeltern um Rat zu fragen.

Tipps für junge Väter:

Auszeiten nehmen

Auch junge Väter haben ein Recht auf eigene Freizeit, ebenso wie die Mütter. Deshalb ist es wichtig, Aufgaben zu teilen, vorher genau zu besprechen, wer welche Verpflichtung übernimmt. Wer im Beruf nicht zurückstecken will, muss seine Zeit sorgfältig einteilen, um Mutter und Kind gut zu unterstützen: beispielsweise das Kind jeden Abend ins Bett bringen und dann erst selber Pause machen. Eine Absprache kann auch sein, dass Vater und Mutter je einen festen Abend in der Woche haben, um auszugehen, Sport zu machen etc.

Informationen einholen

Auch organisatorische und rechtliche Fragen belasten: Wie funktioniert das mit dem Elterngeld genau? Haben wir Anspruch auf eine Familienhilfe? Wer berät uns bei alltäglichen Dingen, wenn wir nicht weiter wissen? Junge Väter sollten sich nicht scheuen, Familienberatungen und Jugendämter aufzusuchen. Dort bekommen sie Antworten auf ihre Fragen – damit das Abenteuer Kind gelingt!

Ein junger Vater berichtet, wie er diese spannende, anstrengende und unersetzliche Zeit erlebt:

Man lernt mit dem Kind, was man zu tun hat

„Ich hatte kein festes Bild, wie alles sein muss“, erzählt Thiemo Bögner. Eigentlich wollte er keine Kinder. Doch dann wurde seine damalige Freundin und heutige Ehefrau unerwartet schwanger – da waren beide 24 Jahre alt. Sie hatte ihr Studium gerade abgeschlossen, Thiemo Bögner war mit seinem noch nicht fertig, als ihr erster Sohn geboren wurde.

„Ich habe mich vom ersten Moment an gefreut. Ich bin eigentlich gar nicht so gefühlsbetont, aber das war emotional sehr berührend.“ Der Fotograf hat sich viel Zeit genommen fürs Kind und sie sehr genossen. Er trug den Kleinen herum, streifte mit ihm durch die Natur. Dabei fand Thiemo Bögner auch das Thema für seine Diplomarbeit: „Waldraum“.

Ich verpasse etwas – und erlebe andere schöne Dinge

Einmal in der Woche ist er feiern gegangen, das war ihm wichtig. Nach und nach war es dem jungen Vater dann zu anstrengend, auszugehen. „Mag sein, dass ich etwas verpasse“, sagt er achselzuckend, „dafür erlebe ich andere, schöne Sachen“.

Von Anfang an haben sich Thiemo Bögner und seine Frau alles geteilt: beide verdienten Geld, machten erst mal die Jobs, die sie bekommen konnten. Beide haben sich um den Haushalt („nur Staubsaugen tue ich nicht“) gekümmert, und beide ums Baby. „Ich finde Kinder toll, aber Säuglinge sind besonders faszinierend, alles ist noch so klein und sie sind so ungeübt.“

Seinen eigenen Vater hat der gebürtige Düsseldorfer erst kennengelernt, als er selber sechs Jahre alt war. „Der meinte, es ist für ein Kind in den ersten Jahren nicht so wichtig, seinen Vater mitzukriegen“, erzählt Thiemo Bögner, „ich sehe das ganz anders!“

Als Vater lerne ich viel über mich selber

Ihm war schnell klar, dass er weitere Kinder möchte und so wurde drei Jahre später der zweite Sohn geboren. In diesen Tagen warten die Eheleute auf die Geburt ihres dritten Kindes. Zur Zeit ist der selbstständige Fotograf Alleinverdiener, seine Frau hat vor anderthalb Jahren ein zweites Studium aufgenommen: „Pädagogik der Kindheit“. Denn über das Zusammensein mit den Kindern stellte die Landschaftsarchitektin fest, dass sie großen Spaß an Naturpädagogik hat. „Kinder haben einen großen Einfluss auf einen selber – ich beschäftige mich viel mehr mit meiner eigenen Lebensplanung, seit ich Vater bin“, sagt Thiemo Bögner.

Sich Zeit zu nehmen, ist das Wichtigste

Alles unter einen Hut zu bekommen, ist eine Herausforderung. Vor allem nach der Geburt ihres ersten Kindes war die Alltagsorganisation für die jungen Eltern schwierig – vieles mussten sie neu verhandeln, auch ihre Vorstellungen von Erziehung.

„Wenn man jung ist, ist der Vorteil, dass noch nicht alles so festgelegt ist. Wir sind erst ein Jahr zuvor zusammengezogen und haben uns sowieso in vielen Bereichen neu orientiert“. Geholfen hat, dass die Beziehung der jungen Eltern schon stabil war. Die beiden sind seit ihrem letzten Schuljahr zusammen. Kennengelernt hatten sie sich sogar schon in der ersten Klasse. „Im dritten Schuljahr war ich das erste Mal in Jana verliebt, das habe ich ihr damals aber nicht gesagt...“

Ob man länger zusammen ist oder ganz frisch, das Wichtigste ist nach Thiemo Bögners Erfahrung, dass sich junge Väter Zeit nehmen – Zeit für das Kind, aber auch Zeit mit und für die Partnerin. „Man versucht dann ja, alles richtig zu machen und weiß noch nicht, wie das gehen kann. Wir haben uns immer gut abgesprochen – das war sehr wichtig, dafür Zeit zu haben und zwar nicht erst abends, wenn beide müde sind, sondern auch mal tagsüber, während das Kind schläft“.

Wären seine Frau und er nicht beide Freiberufler, dann hätten sie wohl gemeinsam Elternzeit genommen, da ist er sich sicher – und das würde Thiemo Bögner auch allen jungen Vätern empfehlen. 

Text aktualisiert am 22. Juni 2016

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