Ist die Schullaufbahn schon vorgezeichnet?

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Gespeichert von chefredakteur am 27. Mai 2016
Kind verzweifelt am Schreibtisch

Ist die Schullaufbahn schon vorgezeichnet?

Trennungskinder

Nach einer Trennung der Eltern bekommen viele Kinder Schulprobleme. Sie haben schlechtere Schulnoten und schaffen seltener den Wechsel auf ein Gymnasium. In dieser Situation ist der Bildungsgrad der Väter mitentscheidend, ob ein Gegensteuern gelingt.

 

Der Schulerfolg der Kinder ist zum großen Teil Elternsache – auch im Trennungsfall. Gerade bei Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern verringert eine Trennung der Eltern die Chancen, dass der Schulwechsel auf ein Gymnasium gelingt. In gebildeteren Familien hat eine Trennung der Eltern hingegen meist wenig Einfluss auf die Schullaufbahn der Söhne und Töchter. Das ergab eine Studie des Soziologen Michael Grätz von der Universität Oxford. Grundlage waren Daten der Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP). „Familien aus höheren sozialen Schichten können den negativen Einfluss einer Trennung auf den Schulerfolg ihrer Kinder besser abfangen als andere“, erklärt Michael Grätz.

Vor allem der Bildungsgrad der Väter entscheidet darüber, inwieweit Eltern die Folgen einer Trennung auf den Schulerfolg ausgleichen können. „In der Regel leben die Kinder nach der Trennung im Haushalt der Mutter“, sagt Michael Grätz. „Väter mit Abitur verfügen jedoch über mehr finanzielle Mittel und Kontakte als Väter ohne dieses Zeugnis und können so ihren Nachwuchs auch nach einer Trennung gut unterstützen und fördern.“

Gymnasium entscheidend für Karriere

Im untersuchten Zeitraum besuchten etwa 40 Prozent der befragten Schüler nach der Grundschule ein Gymnasium. Dessen Besuch entscheidet zu einem großen Teil über den späteren Bildungserfolg und damit auch über die Berufschancen der Kinder. Um herauszufinden, wie sich eine Trennung der Eltern auf die Schullaufbahn von Kindern unterschiedlicher sozialer Herkunft auswirkt, hatte Grätz Angaben aus dem SOEP-Jugendfragebogen ausgewertet. In die Untersuchung flossen zwischen 2000 und 2013 erhobene Daten von 1648 Jugendlichen im Alter von 17 Jahren ein. Grätz verglich die Schullaufbahn von Jugendlichen, deren Eltern sich in deren Kindheit – also vor ihrem 15. Lebensjahr – trennten, mit der ihrer älteren Geschwister, die die Trennung in einem höheren Alter erlebt haben.

Im Einzelnen zeigt die Auswertung der SOEP-Daten: Für Kinder aus bildungsferneren Familien – das sind Familien, in denen weder Vater noch Mutter Abitur haben – verringert eine Trennung der Eltern die Wahrscheinlichkeit, dass sie ein Gymnasium besuchen, um fast 15 Prozentpunkte. Die Trennung führte zudem zu schlechteren Noten im Alter von 16 Jahren in den Fächern Deutsch und Mathematik. Für Kinder aus Elternhäusern, in denen zumindest ein Elternteil Abitur hat, wird die Chance auf eine höhere Schule durch die Trennung der Eltern hingegen nicht beeinflusst. Auch die Leistungen in Deutsch und Mathematik litten nicht darunter.

Zurück zur schulischen Normalität

Die Wiener Schulpsychologin Alexandra Sartori rät betroffenen Familien, sich mit den Lehrern intensiv auszutauschen. Denn gerade für Trennungskinder sollte die Schule nicht ein zusätzliches Problem werden, sondern ein Rückzugsraum frei von familiären Konflikten. Der gleichbleibende und verlässliche Schulalltag kann den Kindern Sicherheit geben – und Lehrer sind dabei wichtige Bezugspersonen. Es geht darum, Normalität zu erfahren, nicht übermäßige Rücksichtnahme. Diese könnte bei den Kindern das Gefühl der eigenen Hilflosigkeit noch verstärken. Soweit die schulischen Schwierigkeiten eine Reaktion auf familiäre Probleme sind, ist die Familie auch der erste Ort, um die Situation zu verbessern. Aber nicht immer gelingt eine intakte Beziehung zu beiden Eltern, nicht immer ziehen diese an einem Strang. Hier können Schulpsychologen und Schulberatungsstellen weiterhelfen. Adressen von Beratungsstellen in NRW sind auf schulpsychologie.de zu finden.

Um schulische Leistungen unmittelbar zu verbessern, ist die klassische Nachhilfe eine Möglichkeit. Für alle Schularten und Fächer gibt es Organisationen, die in Gruppen oder in Einzelstunden Unterrichtsstoff nachholen. Sie können den Kindern Lerntechniken beibringen oder auch einfach bei der Hausaufgabenbetreuung helfen. Aber Nachhilfe kostet Geld. Und nach einer Trennung ist der finanzielle Spielraum für die Familien häufig kleiner geworden. Für Kinder aus Familien, die Arbeitslosengeld II, Sozialgeld oder -hilfe, Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen, besteht Anspruch auf Leistungen des sogenannten Bildungs- und Teilhabepakets. Darüber können die Kosten zur Lernförderung für Familien in Geldnöten übernommen werden.

(vaeter.nrw)

Text aktualisiert am 11.06.2016

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