Nicht nur Besuchsvater sein

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Gespeichert von chefredakteur am 18. Mai 2016
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Nicht nur Besuchsvater sein

Nach einer Trennung hat das Wechselmodell einige Vorteile – und rechtliche Auswirkungen.

Viele Väter möchten auch nach Trennung und Scheidung den Kontakt zu ihren Kindern aufrechthalten. Deswegen entscheiden sich immer mehr Eltern, ihre Kinder im Wechselmodell zu betreuen und damit die elterliche Verantwortung aufzuteilen.

 

Selbstverständnis und Rollenverteilung haben sich verändert: Früher war der Vater überwiegend Ernährer der Familie und zahlte nach einer Trennung zwar Unterhalt, hatte zu seinen Kindern aber meist nur am Wochenende Kontakt. In den vergangenen Jahren ist es Vätern wichtiger geworden, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und sie mit zu erziehen. Sie wollen nicht mehr nur „Besuchsvater“ sein, sondern den Alltag mit ihren Kindern teilen – auch nach einer Trennung. Das Engagement des Vaters liegt gleichermaßen im Interesse der Mutter, die dadurch entlastet wird. Dennoch müssen sich Väter die neue Rolle nicht selten gegen den Widerstand der Mütter erkämpfen.

Was genau ist das Wechselmodell?

Um das Wechselmodell zu verstehen, ist es hilfreich, ihm das klassische „Residenzmodell“ (§ 1687 Absatz 1 Bürgerliches Gesetzbuch) gegenüber zu stellen. Beim Residenzmodell lebt das Kind bei einem Elternteil, der sich um die Betreuung und Erziehung des Kindes kümmert, während es den anderen Elternteil in der Regel nur am Wochenende oder in den Ferien besucht.

Beim Wechselmodell verbringt das Kind – im Idealfall – annähernd gleich viel Zeit mit Vater und Mutter. Rechtlich muss der Zeitanteil eines betreuenden Elternteiles mindestens 30 Prozent umfassen. Zwar kann es auch im Residenzmodell vorkommen, dass ein Elternteil 30 Prozent der Zeit mit dem Kind verbringt. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass im Wechselmodell beide Elternteile den Alltag mit ihrem Kind leben und nicht einer nur für die Freizeit und der andere nur für den Alltag zuständig ist. Ausschlaggebend ist dabei also, dass Vater und Mutter über die Belange des Kindes entscheiden und praktische, moralische und erzieherische Aspekte gemeinsam verantworten.

Das Wechselmodell hat zwei Varianten: Beim sogenannten „Doppelresidenzmodell“ hat das Kind je einen Wohnsitz bei beiden Elternteilen. Beim „Nestmodell“ hingegen lebt das Kind immer in derselben Wohnung, in der sich Vater und Mutter im Wechsel aufhalten, um es dort zu betreuen.

Welche Rahmenbedingungen sollten vorliegen?

Damit das Wechselmodell als geeignete Betreuungsform tauglich ist, sollten folgende Rahmenbedingungen stimmen:

  • Für die Eltern sollte das Kindeswohl an oberster Stelle stehen.
  • Die Wohnungen der Eltern sollten nicht allzu weit voneinander entfernt liegen.
  • Schule und/oder Kindergarten sollten von beiden Wohnungen aus gut zu erreichen sein.
  • Der Wechsel des Kindes von einem Elternteil zum anderen sollte konfliktfrei erfolgen.

Obwohl sich immer mehr Eltern für das Wechselmodell als Betreuungskonzept entscheiden, hegen viele Väter und Mütter Vorurteile und Bedenken – auch wenn sie sich darin einig sind, dass es für das Kind wichtig ist, den Alltag mit beiden Elternteilen gleichermaßen zu verbringen. Eine Befürchtung lautet, nur gut kooperierenden, konfliktfreien Eltern gelänge ein erfolgreiches Wechselmodell. Inzwischen belegen jedoch mehrere Studien, dass auch Väter und Mütter, die anfänglich skeptisch waren und das Wechselmodell ablehnten, gute Erfahrungen damit gemacht haben, denn:

  • Kinder in Wechselmodellfamilien sind psychisch anpassungsfähiger.
  • Die Kommunikation zwischen den Eltern verbessert sich, ihr Konflikt wird entschärft.
  • Die Bindung beider zum Kind verstärkt sich.
  • Kinder können gut mit zwei Lebensmittelpunkten leben, denn Stabilität ist weniger eine Frage des Ortes, vielmehr ist die emotionale Stärke entscheidend.

Rechtliche Auswirkungen

Wird das Wechselmodell als geeignete Betreuungsform gewählt, sind damit rechtliche Auswirkungen in unterschiedlichen Bereichen verbunden:

1. Unterhalt des Kindes

Wenn Vater und Mutter sich die Betreuung ihres Kindes annähernd teilen, sind auch beide gleichermaßen verpflichtet, einen so genannten Barunterhalt zu zahlen (monatliches Geld für die Bedürfnisse des Kindes).

Bei einem nicht paritätischen Wechselmodell – einer Betreuung zum Beispiel zu 30/70 Prozent – können dem Elternteil, bei dem das Kind seltener lebt, Teile der monatlichen Geldzahlungen erlassen werden, weil er/sie ja anteilig schon Unterhalt in Form von Wohnraum, Kleidung und Nahrung aufbringt. Dazu wird dieser Elternteil in den Einkommensgruppen der Düsseldorfer Tabelle herabgestuft (BGH, Beschluss vom 12. März 2014 - XII ZB 234/13, BGH, 21.12.2005 - XII ZR 126/03). Die Düsseldorfer Tabelle dient Gerichten als Leitlinie, wenn sie den Unterhaltsbedarf festlegen.

2. Unterhaltsanspruch eines Elternteils

Wenn ein Elternteil vom anderen Unterhalt fordert, sich aber Vater und Mutter beide bei der Betreuung des Kindes engagieren, wird dies auch unterhaltsrechtlich berücksichtigt. Auch dann können dem Unterhaltspflichtigen Teile seiner monatlichen Geldzahlungen erlassen werden.

3. Weitere Vorschriften

Die Betreuung im Wechselmodell hat auch bei weiteren rechtlichen Fragen Konsequenzen, wenn es zum Beispiel um Jugendhilfe, Sozialleistungen nach SGB II oder SGB XII, Schule, Steuern oder die Anmeldung des Wohnsitzes geht. Im Melderecht zum Beispiel ist geregelt, dass nur ein Hauptwohnsitz zulässig ist, auch wenn das Kind bei Vater und Mutter gleichviel Zeit verbringt. Auch den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende bekommt nur ein Elternteil. Hier gilt: Wer wieviel bekommt und wer was entscheiden darf, sollte im Einzelfall gemeinsam mit der zuständigen Behörde geklärt werden.

(vaeter.nrw)

Text aktualisiert am 25. Mai 2016

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