Vater im Studium – kein Ding der Unmöglichkeit

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Gespeichert von chefredakteur am 22. Juni 2016
Gruppe Studierender im Hörsaal

Vater im Studium – kein Ding der Unmöglichkeit

Studentenvater

Drei kleine Kinder und das Studium miteinander zu vereinbaren – das klingt nach einer großen Herausforderung. Doch die ist gut machbar, findet Ismail Cebe; und dass, obwohl er seine 1, 2 und 4-jährigen Söhne sogar alleine großzieht. Dabei bekommt er viel Unterstützung und oft positive Reaktionen auf seine Vaterschaft.

 

„Im Studium konnte ich mir die Zeit relativ frei einteilen, anders als es beispielsweise bei einem festen Job der Fall gewesen wäre. Deshalb konnte ich genug Zeit für die Betreuung meiner Kinder einräumen“, erinnert sich Ismail Cebe. Doch auch wenn er einmal zu spät in die Vorlesung kam, weil er seine Kinder aus dem Kindergarten abgeholt hat, oder das Seminar eher verlassen musste, um rechtzeitig bei der Betreuung zu sein, war das kein Problem. „Viele Professoren sind darauf eingestellt, dass Studierende mit Kind besondere Lebensumstände haben. Ich habe immer mit den Dozenten gesprochen und wir haben dann gemeinsam Wege gefunden, wie ich die Anforderungen im Seminar und die Kinderbetreuung miteinander vereinbaren kann. Wenn ich die Kinder mal früher abholen musste, war das meist kein Problem. Wenn ich eine Veranstaltung mal nicht regelmäßig besuchen konnte, habe ich mich mit den Dozenten auf eine Ausnahmeregelung geeinigt. So habe ich in einem Kurs zum Beispiel mal eine schriftliche Zusatzaufgabe gemacht, weil ich nicht regelmäßig erscheinen konnte. Aber: Die Kommunikation ist wichtig. Ich wollte nicht, dass Missverständnisse entstehen und habe deshalb immer offen gelegt, dass ich Vater bin.“ Dass die Dozenten mittlerweile auf die besonderen Bedürfnisse eingestellt sind, sieht Ismail Cebe positiv. „Die Hochschulen achten sehr darauf, dass Studium und Familie vereinbar sind. Bei meiner Einschreibung habe ich angegeben, dass ich Vater bin und habe beispielsweise den Vermerk „Studieren mit Kind“ bekommen, der mir einen leichteren Zugang zu teilnehmerbeschränkten Kursen ermöglicht.“

Ohne die Hilfe seiner Eltern hätte es nicht geklappt

Ismail Cebes ältere Söhne besuchen regelmäßig einen Kindergarten. Der Jüngste wird von der Oma betreut. „Es gab immer mal Situationen, in denen ich auch nachmittags Veranstaltungen besuchen musste, wenn die Kinderbetreuung schon zu Ende war. Dann ist meine Familie eingesprungen und hat auf die Kinder aufgepasst. Anders wäre das auch nicht gegangen“, stellt Ismail Cebe fest. Ähnlich ginge es auch vielen anderen Vätern und Müttern, die studieren. „Besonders die Alleinerziehenden, die ich kennengelernt habe, waren auf die Unterstützung der eigenen Eltern angewiesen“, betont Ismail Cebe.

Finanzen: Ein Problem?

„Unsere finanzielle Absicherung war nicht immer einfach. Eine Zeitlang habe ich uns mit Wohngeld und Kindergeld über Wasser gehalten. Aber zum Glück gab es immer noch andere Möglichkeiten: Als Dolmetscher habe ich regelmäßig ein paar Stunden neben dem Studium gearbeitet. Da lagen die Arbeitszeiten so, dass ich das mit den Veranstaltungen in der Uni und der Kindererziehung vereinbaren konnte. Ich hatte auch mal einen Job als Studentische Hilfskraft. Da wurde auch sehr auf meine besondere Lebenssituation als alleinerziehender Vater geachtet. So konnte ich neben dem Studium noch etwas Geld für die Familie dazuverdienen. Dann ging das“, erinnert sich Ismail Cebe.

Beratungsstellen aufsuchen: Eine gute Erfahrung

Um sich zu informieren, welche Unterstützung jungen Familien zusteht, hat Ismail Cebe die Familienberatung seiner Hochschule aufgesucht. „Die haben mir wirklich sehr geholfen und mir viele Tipps gegeben. Zum Beispiel haben die mit mir Einrichtungen besucht, die junge Väter bei der Erstausstattung für das Kind unterstützen. Aber auch allgemeine Informationen, insbesondere zur Finanzierung, habe ich dort bekommen.“ Ähnliche Erfahrungen machte der junge Vater mit der Beratungsstelle der Stadt Bielefeld, auf die er zufällig aufmerksam wurde. „Ich habe mich neben Studium und Kindererziehung als Sozialreferent beim Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) engagiert. Dort habe ich festgestellt, dass viele Eltern nicht wissen, dass es diese Angebote gibt und wo sie Hilfe bekommen. Bevor ich davon wusste, habe ich auch versucht, alles alleine zu regeln. Das war aber viel schwieriger und musste gar nicht sein. Denn es gibt viel Unterstützung!“

„Die größte Herausforderung war es, Studium, Kindererziehung und Finanzen unter einen Hut zu bekommen. Doch es gibt viele Wege, das zu schaffen. Und dann sind Studium und Vaterschaft gut miteinander vereinbar”, resümiert Ismail Cebe, „und sehr bereichernd!“

Ismail Cebe ist 27 Jahre alt und lebt in Bielefeld. Er ist alleinerziehender Vater von drei Kindern im Alter von 1, 2 und 4 Jahren. Er hat Soziologie und Jura studiert und arbeitet seit einem Jahr als Jugendbildungsreferent für die DGB-Jugend.



© Ismail Cebe  

Text aktualisiert am 22. Juni 2016

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