„Wir machen das für unsere Kinder“

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Gespeichert von chefredakteur am 10. Juni 2016
Kinder balancieren auf einem Baumstamm

„Wir machen das für unsere Kinder“

Interkulturelle Väterarbeit in NRW

„Vater sein ist Glück, Verantwortung und Herausforderung“, sagt Balli Özgur. Für ihn und die anderen Männer in der Kölner Vätergruppe führt dies auch zur Auseinandersetzung mit den eigenen Vätern. Die waren nämlich meist wenig oder gar nicht anwesend, nämlich weit weg im fernen Deutschland als Gastarbeiter tätig.

 

Bayram Cen hat seinen Vater erst wiedergesehen, als er mit 18 Jahren selber nach Deutschland kam. „Und wenn man das nicht vorgelebt bekommt, hat man gar kein eigenes Vaterbild“, erklärt der 51-Jährige. „Wir sind aber engagierte Väter und wollen die Erziehungsaufgaben nicht allein den Müttern überlassen.“

Über Identität austauschen

Über ihre Kinder sind sie dann auch zur Vätergruppe gekommen: Zuerst nahmen ihre Söhne und Töchter am Lerncoaching des Vereins Couch e. V. teil, später trafen sich die Mütter dort in Gesprächsgruppen. Die Väter suchten dann auch einen Raum für ihre Fragen, beispielsweise zu Erziehungsproblemen, Schulsystem, Berufsausbildung, und wollten über Erlebtes sprechen. Darüber, wie es sich anfühlt, eine Frau zu heiraten, die einem der Onkel vorstellt und die man zuvor nur einen Tag gesehen hat. Darüber, dass die Kinder einen nicht in der Türkei begraben möchten, wie man es sich wünscht, weil sie in Deutschland heimisch sind.

Seit vier Jahren treffen sich die Männer mit türkischen Wurzeln in der Vätergruppe. Inzwischen sprechen sie über ihre Erfahrungen, Ängste und Sorgen, doch das hat lange gedauert. Ein Teilnehmer hat während der ersten drei Jahre in der Gruppe nur geschwiegen und zugehört.

Ein landesweites Väter-Netzwerk

Für die Initiatoren des Projekts, Mustafa Bayram und Christian Gollmer, ist die Begleitung der Väter eine Herzensangelegenheit. „Hier denken viele Menschen, dass türkische Väter Erziehung als Frauenaufgabe abtun“, erklärt Mustafa Bayran, “aber das ist ein falsches Bild.“ Ihre Arbeit mit den Vätern im Verein fließt ein in die Landeskoordinierungsstelle für Interkulturelle Väterarbeit. Sie unterstützt und berät seit September 2012 alle Initiativen, die interkulturelle Väterprojekte begonnen haben und ausbauen oder ein neues Projekt gründen möchten.

Kooperation macht stärker

Interkulturelle Väterarbeit bedeutet immer, das Angebot sehr genau auf die jeweilige Zielgruppe abzustimmen. Einwanderer, die dem christlichen Glauben angehören und deren Familien sich schon immer auch deutsch fühlten, brauchen andere Angebote als beispielsweise Muslime aus der Türkei oder afrikanischen Staaten. Die kulturellen, religiösen und persönlichen Hintergründe der Kölner Gruppenteilnehmer hat Landeskoordinator Christian Gollmer in Interviews erfragt. „Nur über Biografiearbeit erfahren wir, welche Kenntnisse die Väter vom hiesigen Schulsystem und sonstigen gesellschaftlichen Realitäten hier haben.” Die Teilnehmer der ersten interkulturellen Vätergruppe in Köln unterstützen sich inzwischen gegenseitig bei den Herausforderungen des Alltags. „Als mein Sohn neulich Probleme in der Schule hatte, habe ich einen anderen Vater aus der Gruppe mit zur Lehrerkonferenz genommen“ erzählt Achmed Anar. Die Vätergruppe ist längst ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. „Ich bin Bäcker“, sagt Balli Özgur, „und muss sehr früh aufstehen. Aber egal wie wenig Schlaf ich bekommen habe, zur Vätergruppe gehe ich immer!“ Sie kämpfen dafür, dass ihnen gelingt, was ihre Väter nicht geschafft haben. Der fünffache Vater Achmed Anar bringt es auf den Punkt: „Vater sein, das heißt für mich: meinen Kindern bei Entscheidungen helfen, für sie da sein, den Weg gemeinsam finden!“



Kontakt:

Christian Gollmer

Landeskoordination für Interkulturelle Väterarbeit NRW

Coach e. V.

Oskar-Jäger-Str. 139

50825 Köln

Tel.: 02 21 / 92 62 99 77

Mobil: 01 73 / 524 11 17

gollmer@iva-nrw.de

www.iva-nrw.de

Akteure der Landeskoordinierungsstelle für Interkulturelle Väterarbeit NRW

AWO Düsseldorf

Die AWO Integrationsagentur Düsseldorf führt Vater-Kind-Aktionen durch, wie VaterKind-Fußballtage, VaterKind-Basteltage, VaterKind-Ausflugstage, VaterKind-Gartentage, das VaterKind-Zelten und den VaterKind-Kürbistag (Halloween). Das Ziel: Väter sollen bei der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder aktiver werden

Kontakt:

E-Mail: ataman.yildirim@awo-duesseldorf.de

Tel. 0211/60025-181 - Ataman Yildirim

 

BIFF – Bildung, Integration, Frauen, Familie e. V.

Der Verein BIFF steht für Gleichberechtigung, Chancengleichheit, Mehrsprachigkeit und Interkulturalität. Er bietet Räume der Begegnung, Bildung und Information, sowie Beratung und Austausch. Ein Arbeitsschwerpunkt ist die Väterarbeit, die Unterstützung und Stärkung von Familien

Kontakt:

E-Mail: biff-do-09@gmx.de

Tel: 0178 7701793 - Antonio Diáz, Ansprechpartner Dortmund

 

Coach e. V.

Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, den Vätern einen Raum für ihre Fragen zu geben und will ihnen helfen, ihre eigene Lebens- und Migrationsgeschichte zu reflektieren, um ihr Leben besser bewältigen zu können. Coach e.V. möchte die Kompetenzen der Väter stärken und sie dabei unterstützen, Verantwortung für sich, ihre Familie und die Gesellschaft zu übernehmen.

Kontakt:

E-Mail: gollmer@coach-koeln.de

Tel. 0221-5 46 56 25 - Christian Gollmer, Landeskoordinator

 

Elternnetzwerk NRW. Integration miteinander e. V.

Im Elternnetzwerk NRW. Integration miteinander e. V. sind Elternvereine und Institutionen von Eltern mit Migrationshintergrund zusammengeschlossen, die sich für die Verbesserung der Bildungssituation ihrer Kinder engagieren. Das Elternnetzwerk unterstützt und fördert die Väter als aktive Partner in der Familie.

Kontakt:

E-Mail: info@elternnetzwerk-nrw.de

Tel: 0211 - 63 55 32 61 - Erol Celik, Vorsitzender

 

Kommunales Integrationszentrum Herne

Im Kommunalen Integrationszentrum Herne will das Projekt „echte Väter“ die Väter in ihrer Rolle und als positives Vorbild stärken. Hier sind inzwischen vier Vätergruppen für türkische Väter aktiv.

Kontakt:

E-Mail: guerkan.ucan@herne.de

Telefon: 0 23 25 / 65 89 - 3 13 - Gürkan Uçan, Diplom-Sozialarbeiter

 

Kommunales Integrationszentrum Kreis Unna

Das Kommunale Integrationszentrum (KI) Kreis Unna bietet Beratungen und Fortbildungen für Multiplikatoren zu interkulturellen Fragestellungen, Sprachförderprogrammen und kommunalen Integrationskonzepten an. Es stellt Konzepte vor, mit deren Hilfe Väter erreicht werden können.

Kontakt:

E-Mail: goekhan.kabaca@kreis-unna.de

Tel: 0 23 07 / 9 24 88-77 - Gökhan Kabaca, Elementarbereich und Migrantenorganisation

 

Kommunales Integrationszentrum Städteregion Aachen

Das Kommunale Integrationszentrum der StädteRegion Aachen setzt Maßnahmen zur Förderung von Elternkompetenz um, wie beispielsweise die Projekte „Griffbereit“ und „Rucksack“. Das Ziel: die Zahl der erziehenden Väter soll erhöht werden. In seiner Zusammenarbeit mit den Vätern legt das Integrationsbüro der StädteRegion Aachen wert auf ein Miteinander von deutschen Vätern und Vätern mit Migrationshintergrund.

Kontakt:

E-Mail: timur-bozkir@staedteregion-aachen.de

Tel.: 0241 51984600 - Timur Bozkir

 

Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung

Zu den Aufgaben des ZfTI gehören die deutsche, türkische und europäische Migrations- und Integrationsforschung, die Anregung und Vernetzung wissenschaftlicher Forschung mit der Türkei und die Förderung des Wissenschaftleraustauschs zwischen der Türkei und Deutschland. Das Institut ist eine Stiftung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Kontakt:

E-Mail: zfti@zfti.de

Tel.: 0201 31980 - Michael Tunç, Cem Sentürk

 

Text aktualisiert am 10. Juni 2016

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